Plastik ist heute zu Recht Dauerthema in allen Zeitungen und Illustrierten. Viel zu spät hat die Politik in Deutschland das Thema erkannt oder gar auf die ernsthaften Probleme mit Plastik reagiert. Einige Unternehmen stellten sogar Mikroplastik her, um dieses zum Beispiel in Zahnpasta, Kosmetikartikeln oder in Spülmitteln als Poliermittel einzusetzen.

So fand man diese Mikroplastikteilchen plötzlich vermehrt in Kläranlagenausläufen, von wo es massenhaft in unsere Flüsse und letztlich feinst verteilt sogar in die Weltmeere gelangte. Vorher erreichten Plastikfolien mit den Flüssen die Meere, da alles was sich z.B. an Wehren staute oder hängen blieb „dem Fluss zurückgegeben wurde“, was ein alte Grundregel der Wasser- und Schifffahrtsämter war. Eigentlich galt dieser Grundsatz nur für Geschiebe im Fluss, doch er wurde für alle Stoffe, die in den ausgebaggerten Sedimenten hingen bzw. abgelagert waren, angewendet. Mir wurde bei Einwänden gesagt, „es gelte im Wasserbau der Grundsatz „was der Fluss mit sich führe, könnte ihm auch wieder zurückgegeben werden“! Hier ist zu erkennen, wie leichtfertig und unbedarft mit der Ökologie unserer Flüsse und letztlich der Weltmeere in der Vergangenheit umgegangen wurde; die daraus resultierenden Probleme wurden weitgehend ignoriert.

Es wird noch ein riesiges Problem auf uns zu kommen: Die ins Meer gelangten Folien landen an zentralen Stellen, wohin sie von Strömungen getragen werden, reiben durch Wellenbewegung permanent aneinander und „verfeinern“ sich dann zu Mikroplastik. Diese Teilchen sind winzig klein und liegen im Nanometer-Bereich (1 nm entspricht 1x10-9 m = 0,000.000.001 m, was einem Milliardstel eines Meters entspricht).

Problem dieser Kleinstpartikel aus Plastik ist, dass diese so klein sind, dass sie in die Nahrung von Menschen und im Meer natürlich auch in die Nahrung von Fischen gelangen und somit in den Blutkreislauf von Mensch und Tier. So gelangen sie schließlich als „Nahrung“ in die Zellen und werden so in das Gewebe eingebaut. Essen wir Fische oder andere Tiere, die Mikroplastik aufgenommen haben, so gelangt das Mikroplastik in unsere  Zellen und Gewebe und lagert sich dort mit der Zeit massenhaft ab. Das Essen von Meeresfischen ist wegen der Unmengen Mikro-Plastik im Meer eine besondere Gefahr für den Menschen. Ob das dann wirklich auch zu einem Problem wird, ist derzeit noch nicht erkennbar, aber die Zeit wird es (hoffentlich nicht!) zeigen.

Wir Angler waren aus Gründen des Gewässerschutzes in Sachen Plastikabfällen in Flüssen, wie aber auch in anderen Bereichen des Gewässerschutzes allen anderen Natur- und Gewässerschützern weit voraus. Fast alle Fischereivereine und Mitglieder im Verband Hessischer Fischer, die Fließgewässer oder Teile davon zu fischereilichen Zwecken angepachtet haben, machen seit über 40 Jahren jährliche Uferreinigungen. Der Hauptgrund dafür waren gerade die überall auftauchenden Plastikfolien, Plastikflaschen und besonders verschiedene Hygieneartikeln, die über WC´s entsorgt wurden. Auch gaben alle Wasserkraftanlagen den an ihren Schutzrechen in Massen angesammelten Müll jeder Art wieder in den Fluss zurück.

An den umzubauenden und neueren Anlagen hat der Verband Hessischer Fischer eine fachgerechte Entsorgung gefordert. Dies wurde mittlerweile auch stellenweise umgesetzt und der Plastik-Müll wird gesondert und schadlos für die Gewässer entnommen. Leider gibt es aber noch  zahlreiche Wasserkraftanlagen-Betreiber, die den anfallenden Müll ohne Trennung auf der nächsten Mülldeponie verklappen.

Es ist an der Zeit, und das bestätigen die täglichen Pressemitteilungen, dass neben dem Plastik-Problem auch alle anderen Probleme an und in unseren Gewässern endlich einer Lösung – zum Beispiel durch konsequente Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, zugeführt werden!

Wir bleiben dran, bis alle Probleme im Sinne sauberer und intakter Gewässer gelöst sind.

Winfried Klein
VHF-Referent Öffentlichkeitsarbeit


Plastik im Planktonnetz, häufiger „Beifang“ unserer Gewässeruntersuchungen
Foto: G. Hoff-Schramm