Krebse in Hessen

Die folgenden Downloaddateien werden momentan noch überarbeitet, stehen aber bald zum Download bereit.

in Hessen und NRW vorkommender Flusskrebsarten mit freundlicher Genehmigung übernommen vom Edelkrebsprojekt NRW

zur Flusskrebs- und Muschelkartierung

stehendes Gewässer (Nur in Verbindung mit einem Meldeformular benutzen!)

zum Meldeformular (Flusskrebs- und Muschelkartierung)

Sucht den Flusskrebs!

Invasive Flusskrebse – eine Gefahr für heimische Krebse, Gewässerökologie und Fischbestände

Die Flusskrebse und Muscheln in den Gewässern Hessens gehörten lange zu den wenig untersuchten, weil nur schlecht beobachtbaren, Tiergruppen in hessischen Gewässern. Sie sind in letzter Zeit mehr in das öffentliche Bewusstsein gerückt, insbesondere durch die Wiederentdeckung des bis 2003 für ausgestorben gehaltenen einheimischen Steinkrebses in einigen wenigen südhessischen Gewässern. Besonders gefördert wurde diese Art durch ihre Aufnahme als prioritäre Art in das Schutzsystem des Anhangs II der Europäischen Natura 2000-Richtlinie. Die heimischen Flusskrebsarten Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) und Edelkrebs (Astacus astacus) gehören heute zu den am stärksten bedrohten Arten unserer Gewässer. Hauptgefährdungsursache ist das invasive Vordringen gebietsfremder amerikanischer Flusskrebsarten. Die Verbreitung der heimischen Arten ist mittlerweile durch mehrfache Untersuchungen im Rahmen der Umsetzung der FFH/Natura 2000-Richtlinie besser bekannt, als noch vor 10 Jahren. Dennoch bleiben auch hier noch Kenntnislücken. Erheblich schlechter steht es um die Kenntnis der Verbreitung und Ausdehnung der an Artenzahl und Populationsgröße zunehmenden Invasiven (vor allem Kamberkrebs, Signalkrebs, Amerikanischer Roter Sumpfkrebs, Marmorkrebs und seit 2018 auch Kalikokrebs) in Hessen.  Im Rahmen eines Kooperationsabkommens mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV)) führte deshalb der Verband Hessischer Fischer im Sommer 2010 erstmals eine flächendeckende Umfrage unter seinen Mitgliedsvereinen zur Verbreitung heimischer und gebietsfremder Flusskrebse und Muscheln durch. Deren Ergebnisse wiesen, trotz großer Rückmeldungszahlen, noch große Lücken und viele Fehlanzeigen aus Gewässern auf, von denen heute eine Besiedlung durch invasive Arten anzunehmen ist.


Der Signalkrebs, ein potenter Gegner unserer Fischbestände und der gesamten Gewässerökologie. Der Eimerboden hat 30 cm Durchmesser.
Foto: R. Hennings

Erst in jüngerer Zeit hat die Wissenschaft erkannt, dass das Vordringen gebietsfremder Amerikanischer Flusskrebse, besonders des Signalkrebses, erhebliche schädliche Auswirkungen nicht nur auf die Restbestände einheimischer Stein- und Edelkrebse, sondern auch auf die Muschel- und Fischbestände besonders der Salmonidenregionen und der stehenden Gewässer hat.  Hier sind unsere Vereine von einer bisher stark unterschätzten Gefahr betroffen. Diese wird in den seit mehreren durchgeführten Gewässerwarteseminaren „Flusskrebse in Hessen“ ausführlich behandelt. Der VHF handelt hier weiterhin und führt im Sommer 2019 eine erneute Umfrage analog zu der Erhebung von 2010 durch. Erfasst werden sollen heimische ebenso wie invasive/gebietsfremde Flusskrebse und Muscheln.

Es ist sehr wichtig, dass diese Daten von vornherein durch die Fischerei selbst gesammelt und verwaltet werden, und nicht von anderen Institutionen oder Verbänden. Ebenso wichtig ist es zu wissen, dass die Gebietsmeldungen des Landes Hessen für Schutzgebiete nach europäischem Recht definitiv abgeschlossen sind, dass also aufgrund der Entdeckung „neuer“ Vorkommen seltener heimischer Krebse keine Schutzgebietsausweisungen erfolgen werden. Vorkommen heimischer Krebse und Muscheln sind aber sehr wohl ein durchschlagkräftiges Argument im Bemühen der Kommunen, Vereine und Pächter um mehr Gewässer- und Fischartenschutz vor Ort. Bessere Kenntnis, wie weit die amerikanischen Invasoren bereits verbreitet sind, ist unabdingbar für den Schutz der heimischen Gewässer und Fischbestände.

Der VHF bittet deshalb um die Mithilfe der organisierten und auch der nicht organisierten hessischen Fischerei im Sommer und Herbst 2019. Bitte nehmen Sie sich die Zeit, die Materialien (Erfassungsbogen mit Erläuterungen dazu, Bestimmungsschlüssel für Flusskrebse, Zusatzblatt für stehende Gewässer), die den Vereinen demnächst per Aussendung zugehen, zu studieren und möglichst vollständig ausgefüllt an den VHF zurückzusenden. Bitte geben Sie das Material, gerne als Kopie, auch an Ihnen bekannte Nachbarvereine oder Einzelpächter weiter.
Die Dateien können auch oben heruntergeladen werden. Wenn Sie sich Ihrer Artenkenntnis nicht sicher sind, macht das nichts: Melden Sie einfach „Flusskrebse (bzw. Muscheln) vorhanden“ oder „nicht vorhanden“. Wir klären das weitere durch unsere Experten vor Ort. Juli bis September ist die beste Zeit für den Nachweis von Flusskrebsen und Muscheln.

Rainer Hennings
Vizepräsident und Referent für Naturschutz