Regelungen zur Ausübung der Angelfischerei in deutschland
Gibt es den Jugendfischereischein noch?
Nein, mit dem neuen HFischG wurde der Jugendfischereischein abgeschafft.
Mehr dazu erfahren Sie in der untenstehenden Rubrik “Wer darf den Fischfang in Hessen ausüben?”
Wer darf den Fischfang in Hessen ausüben?
§ 29 HFischG
(1) Den Fischfang dürfen nur Personen ausüben, die Inhaber eines gültigen Fischereischeins sind.
(2) Wer volljährig und zum Fischfang berechtigt ist, kann sich von weiteren Personen unterstützen lassen.
Beim Fischfang mit der Handangel gilt dies nur für Personen, die aufgrund nachweislicher körperlicher
Beeinträchtigung Hilfe beim Fischfang benötigen. Nur einer der Helferinnen und Helfer darf den
Fischfang mit der Handangel ausüben. Helferinnen und Helfer müssen sich im unmittelbaren Einwirkungsbereich der oder des Fischereiausübungsberechtigten aufhalten.
(3) Kinder, die gemeinsam in einem Hausstand leben oder zwei Kinder aus verschiedenen Hausständen
dürfen bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahres eine in Abs. 2 Satz 1 bezeichnete Person
beim Fischfang mit deren Handangeln unterstützen, wenn sie dabei an die Fischereiausübung herangeführt
werden. Abs. 2 Satz 4 gilt entsprechend.
(4) Jugendliche, die das zehnte Lebensjahr vollendet und das sechzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet
haben, dürfen den Fischfang mit der Handangel unter der Aufsicht einer volljährigen Person,
die Inhaberin oder Inhaber eines gültigen Fischereischeins ist, ohne Fischereischein ausüben. Die aufsichtführende Person hat das Alter der Jugendlichen auf Verlangen gegenüber den Aufsichtspersonen nach § 49 Abs. 1, dem Personal der Fischereibehörden, den Inhaberinnen und Inhabern des Fischereirechts und den Fischereipächterinnen und ‑pächtern durch einen amtlichen Lichtbildausweis unmittelbar
nachzuweisen.
Um in Hessen die Angelfischerei ausüben zu dürfen, müssen Inhaber eines Fischereischeines und Kinder über 10 Jahren die Fischereiabgabe entrichten (§ 35 HFischG)
Wann kann ein Sonder- und Besucherfischereischein beantragt werden?
§ 33 HFischG
Sonder– und Besucherfischereischein
Ohne Nachweis einer bestandenen Fischerprüfung nach § 31 HFischG kann auf Antrag
1. Personen, die aus gesundheitlichen Gründen eine Prüfung nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand ablegen können, ein Sonderfischereischein erteilt werden, der diese berechtigt, in Begleitung einer volljährigen Person mit gültigem Fischereischein den Fischfang ausüben und
2. Personen, die im Inland keinen Wohnsitz haben oder die dem diplomatischen Corps angehören und ihre Sachkunde, insbesondere durch die Vorlage eines ausländischen Fischereischeins oder Fischereierlaubnisscheins, nachweisen, ein Besucherfischereischein erteilt werden.
Wo kann ich barrierefrei angeln?
Als Verband Hessischer Fischer e.V. möchten wir uns dafür einsetzen, dass auch Menschen mit körperlicher Behinderung die Ausübung unseres gemeinsamen Hobbys ermöglicht wird.
Unter folgendem Link finden Sie eine Übersicht der bisher in Deutschland eingetragenen barrierefreien Angelplätze:
https://angelmagazin.de/barrierefreie-angelplaetze/
Wenn Ihr Verein ebenfalls über geeignete Angelplätze verfügt, möchten wir Sie bitten, diese in die Karte einzutragen und damit einerseits einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, aber auch zugleich ihr Gewässer attraktiver für Gastkartenangler mit körperlichen Einschränkungen zu machen.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns dabei helfen und den Link an Nachbarvereine und bekannte Angler weiterleiten könnten.
So können wir möglichst viele Menschen erreichen und gemeinsam eine gute Quelle für barrierefreie Angelplätze in Deutschland erschaffen.
Was kostet ein Fischereischein (Erwachsene/Jugendliche)?
Die Antwort finden Sie hier:
Umweltministerium Hessen — Fischerei
Welche Fische darf ich angeln? Gibt es Schonzeiten und EntnahmeFEnster?
Natürlich gibt es auch in Hessen, wie in allen anderen Bundesländern einen Schonzeitenkalender. Die Schonzeiten sind in § 2 HFischV aufgeführt. Zudem existiert in Hessen ein Entnahmefenster. Dies regelt die minimale und maximale Entnahmegröße zahlreicher Fischarten.
Ich bin im Ausland geboren und habe einen ausländischen Fischereischein. Mein 1. Wohnsitz ist nunmehr in Hessen. Wird der ausländische Fischereischein anerkannt?
Ausländische Fischereischeine werden in Hessen nur dann anerkannt, wenn identische oder vergleichbare Voraussetzungen und Inhalte in der Ausbildung vorliegen. Ausländische Fischereischeine, die diesen Voraussetzungen nicht entsprechen, werden nicht anerkannt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Oberste Fischereibehörde des hessischen Umweltministeriums.

Anglerzahlen
und wirtschaftlicher Nutzen
Im Jahr 2021 gingen in Deutschland rund 6,64 Millionen Menschen mindestens einmal angeln. Diese Schätzung basiert auf einer Gesamtzahl von 70,54 Millionen Personen über 14 Jahren und entspricht einem Bevölkerungsanteil von 9,4 % (Statista 2021).
Zum Vergleich: In industrialisierten Ländern (N = 27; Nordamerika, Europa, Ozeanien) wird der Anteil der Anglerinnen und Angler auf 10,36 % geschätzt – das entspricht etwa 118 Millionen Personen (Arlinghaus et al. 2015a).
Der gesamtwirtschaftliche Nutzen der Angelfischerei in Deutschland beträgt jährlich rund 6,4 Milliarden Euro und sichert etwa 52.000 Arbeitsplätze (Arlinghaus 2004). Frühere Erhebungen auf Basis von Telefonumfragen ermittelten für Deutschland eine Anglerzahl von 3,3 Millionen (Arlinghaus et al. 2004).
Für Europa spielt auch die marine Freizeitfischerei eine bedeutende Rolle: Sie schafft rund 100.000 Arbeitsplätze (Hyder et al. 2018) und generiert einen jährlichen wirtschaftlichen Nutzen von etwa 10,5 Milliarden Euro (Hyder et al. 2017). Auf Deutschland entfallen hiervon rund 176 Millionen Euro und 1.957 Arbeitsplätze (Hyder et al. 2017).
Jährlich sind in Europa etwa 8,7 Millionen Meeresangler aktiv – das entspricht 1,6 % der Bevölkerung. Sie geben zusammen rund 5,9 Milliarden Euro aus und verbringen etwa 77,6 Millionen Angeltage pro Jahr (Hyder et al. 2018).
Weltweit wird angenommen, dass 11,5% der Bevölkerung der Angelfischerei nachgehen. Dabei fangen diese Angler 47,1 Milliarden Fische, von denen wiederum 17,09 Milliarden Fische, also etwa ein Drittel (10,86 Mio. t), entnommen werden. Der Rest wird wieder zurückgesetzt (Cooke and Cowx 2004).
Die Freizeitfischerei dient auch zur Nahrungsbeschaffung und so werden 20,3% des Gesamtfanges (kommerzielle Fischerei, Subsistenzfischerei, Freizeitfischerei; Gesamt = 221.772 t) in Deutschland durch die Angelfischerei entnommen (Cooke et al. 2018). Somit kommt in Deutschland 5,5 Kilo essbarer Fisch auf jeden Angler pro Jahr (Cooke et al. 2018).
2023 wurden bundesweit insgesamt 58.000 Fischereiprüfungen erfolgreich absolviert. Die Anzahl gültiger Fischereischeine beläuft sich nach Angaben der oberen Fischereibehörden im Jahr 2023 auf 1,75 Mio. Im Jahr 2023 wurde die Anzahl der organisierten Vereine mit 8.000 angegeben. Die unterschiedlichen Werte bezüglich der Anglerzahl in Deutschland gehen auf die zusätzliche Erfassung von nur im Küstenbereich der Nord- und Ostsee Angelnden, das Angeln in privaten Gewässern oder in gewerblich genutzten Angelteichen zurück. Zudem sind manche Angler nur im Ausland aktiv am Angeln. Diese Unterschiede sind jedoch auch in internationalen Studien zu finden und dementsprechend nicht einzigartig für Deutschland (Brämick 2024).
In Hessen wurden seit 2020 im Schnitt etwa 2.200 Vorbereitungskurse zum Angelschein pro Jahr absolviert. Zur Zeit verfügen rund 100.000 Anglerinnen und Angler über einen gültigen Fischereischein. Im Jahr 2023 gab es hessenweit 42 Fischzucht- und Aquakulturbetriebe. Vollzeit-Erwerbsfischer gibt es in Hessen hingegen nicht mehr. Von insgesamt ca. 29.000 Hektar Wasserfläche werden 27.800 Hekar fischereilich genutzt (Brämick U. 2024). Die Angelfischerei umfasst nach dem hessischen Fischereigesetz sowohl den Fang von Fischen, Krebsen und Muscheln zur Nahrungsgewinnung. Ein besonders wichtiger Faktor ist jedoch der Schutz, sowie die Erhaltung und die Fortentwicklung der im Wasser lebenden Tier- und Pflanzenwelt sowie deren Lebensräume. Neben dem gesetzlichen Auftrag zur Hege und Pflege der Gewässer übernehmen Angelvereine eine wichtige Aufgabe im Erhalt aber auch der ökologischen Überwachung unserer Gewässer.
Quellen
Arlinghaus, R. (2004): Angelfischerei in Deutschland – eine soziale und ökonomische Analyse. Berichte des IGB 18, S. 1–160.
Arlinghaus, R., Tillner, R., & Bork, M. (2015a). Explaining participation rates in recreational fishing across industrialised countries. Fisheries Management and Ecology, 22(1), 45–55.
Brämick, U. (2024). Jahresbericht zur Deutschen Binnenfischerei und Binnenaquakultur 2023. Institut für Binnenfischerei e.V., Potsdam-Sacrow.
https://www.portal-fischerei.de/fileadmin/SITE_MASTER/content/Dokumente/Bund/Jahresbericht_Binnenfischerei_Berichtsjahr_2023_korrigiert.pdf
(aufgerufen am 11.08.2025).
Cooke, S. J., & Cowx, I. G. (2004). The role of recreational fishing in global fish crises. BioScience, 54, 857–859.
Cooke, S. J., Twardek, W. M., Lennox, R. J., Zolderdo, A. J., Bower, S. D., Gutowsky, L. F., Danylchuk, A. J., Arlinghaus, R., & Beard, D. (2018). The nexus of fun and nutrition: Recreational fishing is also about food. Fish and fisheries, 19(2), 201–224.
Hyder, K., Radford, Z., Prellezo, R., Weltersbach, M. S., Lewin, W. C., Zarauz, L., Ferter, K., Ruiz, J., Townhill, B., Mugerza, E., & Strehlow, H. V. (2017). Research for PECH Committee – Marine recreational and semi-subsistence fishing — its value and its impact on fish stocks. European Parliament, Policy Department for Structural and Cohesion Policies, Brussels.
Hyder, K., Weltersbach, M. S., Armstrong, M., Ferter, K., Townhill, B., Ahvonen, A., Arlinghaus, R., Baikov, A., Bellanger, M., Birzaks, J., Borch, T., Cambie, G., de Graaf, M., Diogo, H. M. C., Dziemian, Ł., Gordoa, A., Grzebielec, R., Hartill, B., Kagervall, A., …, & Strehlow, H. V. (2018). Recreational sea fishing in Europe in a global context — participation rates, fishing effort, expenditure, and implications for monitoring and assessment. Fish and Fisheries, 19, 225–243.
Statista (2021). Anzahl der Personen in Deutschland, die in der Freizeit Angeln oder Fischen, nach Häufigkeit von 2019 bis 2024 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171166/umfrage/haeufigkeit-von-angeln-oder-fischen-in-der-freizeit/ (aufgerufen am 11.08.2025)
