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Das diesjährige Herbstseminar „Aus unserer Mitte“ von Karl Schwebel, VHF Regionalgeschäftsstelle Süd, stand in diesem Jahr unter dem Motto „Praxisbeispiele  bis hin zur ganzheitlichen Gewässerberatung bei der Umsetzung der EU-WRRL“.

Die Referenten:

  • Niklas Berting, Vorsitzender AuGe Wetterau e.V.:
    Ehrenamtliche Gewässerstrukturmaßnahmen in der Wetterau – Praxisbeispiele und Erfahrungen
  • Dipl. Ing. Gottfried Lehr, Büro für Gewässerökologie, Bad Vilbel:
    Renaturierung und Fischbestand der Nidda –Rückblick und Perspektiven
  • Jens Eligehausen, Verband Hessischer Fischer e.V.
    Digitalisierung der Fischerei – nur ein Trend oder nützliches Werkzeug des Gewässerschutzes
  • Oliver Kraft, BGS Wasserwirtschaft GmbH, Darmstadt & Thomas Bobbe, Institut für Gewässer- und Auenökologie GbR, Darmstadt
    Ansätze und Methoden für eine ganzheitliche Gewässerberatung zur Verbesserung des Fließgewässers Untere Usa

Ehrenamtliche Gewässerstrukturmaßnahmen in der Wetterau – Praxisbeispiele und Erfahrungen
Niklas Berting, Vorsitzender der AuGe Wetterau e.V., stellte Praxisbeispiele an drei Gewässern in der Wetterau – Nidda, Pohlheimer Bach, Wetter – vor, die von der AuGe Wetterau e.V. mit ihren insgesamt 17 Mitgliedern ehrenamtlich durchgeführt  worden sind.

Die ersten Gewässerstrukturmaßnahmen nahm die  AuGe Wetterau e.V. an der Nidda in Angriff. Hier zeigen sich heute durch die Verbauung der Nidda bedingt, die in den 1960er Jahren begann, vor allem Strukturdefizite wie die geringe Tiefen- und Breitenvarianz und Substratdefizite.
Das punktuelle Einbringen von Kies – erst in Handarbeit und später unterstützt durch schweres Gerät – war daher die Maßnahme der ersten Wahl. Finanziert wurde das Projekt durch Spenden- und Fördermittel. Als Sponsoren konnten hier die Fa. Hassia und die Luisen GmbH gewonnen werden.
Bereits wenige Jahre nach Beginn zeigten sich erste Erfolge. Die gesamte Dauer des Projekts betrug sechs Jahre und betraf drei ausgewählte Standorte. Insgesamt wurden rund 440 t Kies (̴ 300 m3) für  ca. 10.000 Euro eingebracht.  Nach zwei bis drei Jahren deuteten erste Laichgruben im Kies auf Reproduktion hin. Eine durchgeführte Elektrobefischung dokumentierte den Erfolg. Das  Artenspektrum reicht von Barbe bis zu dem massenhaften Vorkommen von Ukelei.

Als eine weitere Maßnahme wurden Lenkbuhnen aus Lärchenstämmen gegen die Fließrichtung – das verstärkt die Pendelbewegung – in das Gewässer eingebracht und im Uferhang eingegraben.
Diese Strukturen wurden sofort angenommen, insbesondere von strömungsliebenden Arten wie Barbe und Nase.
Unterwasseraufnahmen der sich angesiedelten Fische dokumentieren eindrucksvoll den Erfolg und erwecken den Eindruck von Aufnahmen an einem Riff mit seinem Fischreichtum.
Auch die FFH-Arten Bitterling und Schneider kommen wieder in der Nidda vor.

Nach den an der Nidda durchgeführten Gewässerstrukturmaßnahmen ging es an den Pohlheimer Bach. Hier wurde praktisch ein kompletter „Reset“ des Gewässers durchgeführt. Durch Erdaushubarbeiten und dem Einbringen von Substrat sowie Strukturelementen entstanden als Fazit vielfältige, abwechslungsreiche Strukturen. Jetzt finden sich hier wieder Laichgebiete – sogar für den Hecht – und der Pohlheimer Bach dient als Kinderstube für Jungfische.

An der Wetter wurde ebenfalls Kies eingearbeitet sowie Strömungselemente aus Sandstein mittels „Eigenbaufloß“ kostengünstig in Eigenarbeit eingebracht. Des Weiteren wurden große Wurzelstöcke von Totholz als Unterstände und Schutzraum für Jungfische eingebracht, die rege angenommen wurden.

Alles relativ „kleine Maßnahmen“ mit „großer Wirkung“. Einfach und kostengünstig umzusetzen und machbar auf Vereinsebene. Da hier eine Zuwanderung aus dem Unterlauf und den Nebengewässern möglich ist, waren zusätzliche Besatzmaßnahmen nicht nötig. Der aktuelle Barben Bestand geht hier nicht auf Besatz, sondern ausschließlich auf Zuwanderung zurück.

Renaturierung und Fischbestand der Nidda –Rückblick und Perspektiven
Dipl. Ing. Gottfried Lehr vom  Büro für Gewässerökologie in Bad Vilbel, stellte den langen „Leidensweg“ der Nidda vor:
Einst eines der fischreichsten Gewässer in Hessen, dann baumlosen Abflusskanal in den  1960er Jahren und heute ein auf weiten Strecken renaturiertes
Gewässer.
Seit den 1970er Jahren engagiert  sich Gottfried Lehr für die Renaturierung der Nidda und initiierte die ersten Biotopverbesserungen durch Einbau von Strukturelementen, wie Buchten und Buhnen zur Erhöhung der Strömungs- und Strukturvielfalt. Auch setzte er sich für den Erhalt der letzten Kiesbänke ein.

Die Nidda, ca. 90 km lang, mit einem Einzugsgebiet von rund 2000 km², der Horloff, Nidder und Wetter als Nebengewässer, ist ein Mittelgebirgsbach, der im Vogelsberg entspringt und in den Main mündet.

Aufgrund der Aufstauungen ist schon der Abschnitt ab dem Rande des Vogelberges bis zur Wettereinmündung kiesfrei. Erst ab Einmündung der Wetter kommt Kies als Substrat vor, der größte Geschiebebringer ist die Usa ein Zufluss der Wetter. Über die natürliche Fischfauna vor der Aufstauung liegen keine Aufzeichnungen vor. Anfang der 60er Jahre gab es noch kiesige Bereiche und Schleifen vor der Stauhaltung und das Gewässer war so fischreich, dass mehrere Berufsfischer hier ihr Auskommen hatten. Mit der „großen Begradigung“ in den 60er Jahren wurde die Nidda begradigt, Kurven und Schleifen wurden abgeschnitten und verfüllt, wie z.B. der Bonameser Altarm. Der ursprüngliche Fischbestand aus strömungsliebenden Arten wie Barbe, Nase und Forelle sowie Hechten mit den Laichgebieten der überfluteten Wiesen brach zusammen,  bis auf wenige robuste „Überlebenskünstler“ wie Rotauge und Karpfen. Die Niddafischer verloren damit ihr Einkommen.

Zur „Renaissance“ der Niddafische kam es mit dem Beginn von Maßnahmen zur Strukturverbesserung und der Anlage von „Minibiotopen“.
Zusätzlich sorgten Bisambestände für Strukturveränderung. Durch Unterhöhlung kam es zu bedingten Uferabbrüchen.
Der Fischbestand hat sich in überraschend kurzer Zeitspanne durch Zuwanderung aus Seitengewässern wieder aufgebaut. Der Bestand von Rotauge und dem zuerst wieder zugewanderten Gründling, wurde nach anfänglicher Dominanz, um Döbel, Barsch und Hasel erweitert. Auch der Hecht kehrte ohne Besatzmaßnahmen zurück, ebenso der Bitterling.

Barbe und Nase waren jedoch komplett verschwunden, für diese Arten wurde ein Wiederansiedlungsprojekt durchgeführt, welches 1991 fast durch einen Chemieunfall zunichte gemacht wurde, bei dem Natronlauge in die Nidda eingeleitet wurde. Zahlreiche Jungfische konnten jedoch in den Buchten und hinter den Buhnen überleben, die als erste Biotopverbesserungen angelegt worden sind. Das Wiederansiedlungsprojekt wurde in den folgenden Jahren erfolgreich weitergeführt. Heute laichen Barbe und Nase wieder in der Nidda und auch im Unterlauf des Erlenbachs, nach dessen Renaturierung ein wichtiges Laichgebiet für die Fische der Nidda.

Als große Maßnahme wurde weiterhin eine Renaturierung in Bad Vilbel durch die Rekonstruktion des historischen Flusslaufs – so weit möglich – durchgeführt, und die alte Rinne wurde als Altarm belassen.
Mit dem so geschaffenen Stillbereich wurden erfolgreich Laich- und Jungfischhabitate geschaffen, in denen auch die Nase laicht.
Der schwierige Nachweis von Nasen gelangte durch eine nicht so übliche Methode,  und zwar mit dem Einbringen von Fremdkörpern. Nachdem sich Algenbewuchs gebildet hatte, konnten so Fraßspuren der Nasen beobachtet werden.
Die Idee hierzu ging auf illegal eingebrachte Fremdkörper in Form von Verkehrsschildern und darauf entdeckte Fraßspuren zurück.

Letztendlich konnte die Anbindung der Nidda an den Main in Zusammenarbeit mit dem RP Darmstadt technisch durch Rückbau, Sprengung und Senkung der Wehre, realisiert werden. Als „Zugpferd“, um dieses Projekt durchzusetzen, diente die Meerforelle, die nach einigen Jahren in der Nidda auch wirklich erfolgreich nachgewiesen werden konnte.

Zurzeit fehlten im zu erwartenden Arteninventar noch der Strömer, Steinbeißer und der Lachs.

Neben diesen Maßnahmen wurde das historisch gesetzlich verankerte Verbot von Baumbestand an den Ufersäumen aufgehoben, welches einst dem Hochwasserschutz diente und in manchen Sommern aufgrund der dadurch bedingten Erwärmung des Gewässers, zu Massenfischsterben führte.

Die abschließend gezeigten Unterwasseraufnahmen zeigten in eindrucksvoller Weise den Erfolg und auch, wie wichtig die Flachzonen für Jungnasen sind.

Als Ausblick stellte Gottfried Lehr in Aussicht: in geschätzt 10 Jahren sollte die Nidda durchgängig bis zum Main sein und die Langstrecken-Distanzwanderer werden zurückkehren können. Und im Rahmen der WRRL  sollte die Absenkung von Wehren, wo es möglich ist, hessenweit realisierbar sein.

Digitalisierung der Fischerei – nur ein Trend oder nützliches Werkzeug des Gewässerschutzes
Jens Eligehausen vom Verband Hessischer Fischer e.V. stellte die digitalisierte Datenerfassung in der Fischerei als eine Möglichkeit vor, Nachweismethoden zu entwickeln, mit denen unterschiedliche Phänomene an und in Gewässern erklärt werden können und um daraus eventuell Methoden abzuleiten, die im Rahmen einer Gewässerentwicklung genutzt werden können. Zu nennen isthier beispielhaft, Defizite bzw. gute Bedingungen zu erkennen, die einen besonderen Einfluss auf Fischarten und ihre Entwicklung nehmen.

Ebenso können aber alle Gewässerdaten von der Gewässergüte bis hin zur Gewässerstruktur aufgenommen und verarbeitet werden.
So kann zum Beispiel anhand digitaler Aufnahmen ein Laichplatz-Monitoring erfolgreich durchgeführt werden. Mit dem Einsatz einer Unterwasserkamera klnnenFischart, Umfang der Aktivitäten, Umfang des Laichverhaltens bzw. welche Fischart hier überhaupt ablaicht, erfasst werden.
So wurde z. B. an der Diemel überraschenderweise an einer Stelle unter anderem ein Bachforellen-Milchner aufgenommen.                                                              Zudem bezeugen die Aufnahmen die Existenz von mehr „dicken Fischen“ als erwartet, die ohne diese Aufnahmen bisher im Verborgenen geblieben sind und nicht anderweitig, bei Uferbegehungen oder beim Angeln „entdeckt“ worden sind.
Begrenzende Faktoren für ein solches Unterwasser-Monitoring ist die von der Trübung abhängige Sichtweite sowie der Lichteinfall.

Ein weiteres Einsatzgebiet digitaler Aufnahmen ist die Luftbild-Kartographie mit Drohnen, sie kann zur Auswertung von Renaturierungsmaßnahmen herangezogen werden. Aus der Luft können mehr Details als vom Ufer aus erkannt werden, wo vieles verborgen bleibt, z.B. aufgrund von Spiegelungen.
Eine Luftbildkartierung soll auch in einem Projekt an der Diemel mit zur Klärung beitragen, ob ein zu untersuchender amtlicher Pegel aussagefähige Werte liefert  oder ob eine Verlegung des Pegels zu beantragen ist. Dieser Pegel ist ausschlaggebend, ob bei Niedrigwasser ein Kanufahrverbot auf der Gewässerstrecke verhängt wird. Ein Fahrverbot bei Niedrigwasser soll eine Beschädigung oder Zerstörung von Kieslaichplätzen durch Kanus verhindern.
Mit der Luftbildkartierung wurden hier zwei Kieslaichplätze dokumentiert und können so als Argument für eine Überprüfung des amtlichen Pegelstandorts beitragen, um die Zerstörung wertvoller Laichplätze zu verhindern.

Ein weiteres Einsatzgebiet für die digitale Erfassung von Daten, bietet eine Gewässer-App. Sie kann genutzt werden, um schädliche Einflüsse, wie unerlaubte Einleitungen, seltene Naturphänomene oder auch Laichplätze zu dokumentieren, um sie dann schützen zu können.
Eine Gewässer-App hat den Vorteil, dass mit einem mit GPS ausgerüsteten Smartphone eine genaue Erfassung mit Zeitstempel und Geokoordinaten erfolgen kann.
Hierzu weitere Infos unter https://www.umwelt-app.de

Für ein Äschenprojekt an der Diemel wurde solch eine App genutzt, um die Äschenfänge zu dokumentieren und pro Jahr den Altersklassenaufbau und die Jungfischnachweise zu erfassen.

Aber auch weitere Faktoren, wie die Erfassung von Neophyten-Standorten, Flora und Fauna oder von Standorten, an denen Einzelmaßnahmen, wie das Einbringen von Buhnen zur Revitalisierung sinnvoll und erfolgversprechend sein können, sind über solch eine App genau zu erfassen.

Zum Abschluss zeigten Drohnenaufnahmen das Projekt „Diemel unter Einbeziehung des Aspekts der Naherholung“ der Uni Kassel.                                                    Die Aufnahmen über eine durchgeführte E-Befischung, Bestandsaufnahmen der Arten und Substratstruktur verdeutlichten die praktische Anwendung einer digitalen Datenerfassung. Ohne diese „digitale Erfassung“ hätte die gesamte Maßnahme in diesem Umfang und in diesem Zeitrahmen nicht so detailreich dokumentiert werden können.

Ansätze und Methoden für eine ganzheitliche Gewässerberatung zur Verbesserung des Fließgewässers Untere Usa
Oliver Kraft von der BGS Wasserwirtschaft GmbH und Thomas Bobbe vom Institut für Gewässer- und Auenökologie GbR in Darmstadt, stellten ihr umfassendes Gewässerentwicklungskonzept für die Usa vor, einem Zufluss der Wetter, der im Taunus entspringt.

Auslöser für die Vergabe dieses neuen Projekts war der ökologische Zustand des Gewässers, der trotz bereits mehrerer durchgeführter Renaturierungs-maßnahmen, nicht dem „ökologisch gutem Zustand“ nach den Kriterien  der EU-WRRL entsprach.

Das Projekt „Untere Usa“ einer ganzheitlichen Gewässerberatung, bei dem sowohl die stofflichen als auch die strukturellen Parameter betrachtet werden, wurde vom RP Darmstadt in Auftrag gegeben, mit dem Ziel, für die Untere Usa ein Gewässerentwicklungskonzept mit konkreten Maßnahmen zu erstellen, damit die Anforderungen der EU-WRRL umgesetzt werden können.
Zugrunde liegen dem Projekt „Untere Usa“ Grundlagenentwicklung, Erfassung des ökologischen Zustands, Bewertung und Ursachenanalyse sowie die Berücksichtigung von Wechselwirkungen und die Aufstellung von einem Entwicklungskonzept mit Maßnahmenpaket.
Die Auswertung der vorhandenen Datenlage ergab, dass diese für eine Bewertung des ökologischen Zustands und der Ursachenanalyse für die diffusen Einträge in die Usa nicht ausreichend war, zudem die vorliegenden Angaben auch auf älterem Datenmaterial fußte und nicht immer den aktuellen Zustand widerspiegelten.
Daher wurden alle relevanten Parameter, die für die Bewertung des ökologischen Zustands erforderlich sind, neu erhoben.
Die herkömmliche Untersuchung der Gewässergüte anhand des Saprobienindex ist für eine Bewertung des ökologischen Zustands nach den Maßgaben der EU-WRRL nicht ausreichend.
Hier fließen weitere Faktoren in die Gesamtbewertung des ökologischen Zustands mit ein, so dass trotz eines guten Saprobienindex der „gute ökologische Zustand“, wie er von der EU-WRRL gefordert wird, nicht erreicht werden kann, wenn andere Faktoren diese Einstufung verhindern.

Für die Untere Usa wurde bisher der Salz- und Schwermetall-Eintrag durch Bad Nauheim als Belastung erwähnt. Die Defizitanalyse ergab aber für das gesamte Projektgebiet einen defizitären Zustand durch organische Belastung. Diese verhindert trotz guter Saprobie den „guten ökologischen Zustand“ und überwiegt sogar die Salzbelastung, die bisher als der schwerwiegendste Faktor für die Gewässerbelastung galt.

Insgesamt betreffen vielfältige Belastungen die Usa. Der Oberlauf ist bereits belastet, eine starke Belastung wurde an der Probestelle F1 und die stärkste Belastung an der Probestelle F3 festgestellt.
Die punktuellen Einleitungen (stoffliche Belastungen) stellen eine starke Überprägung dar, die eine Bewertung der Salzbelastung zur Zeit nicht zulässt.

Wie wichtig eine „ganzheitliche“ Betrachtung unter Einbeziehung der Vorgeschichte und unter Berücksichtigung von Wechselwirkungen ist, zeigt die Untersuchung des Artenspektrums.

Als Beispiel wurde das Ergebnis für den Schneider – „Leitfisch“ in der EU-WRRL als Bewertungskriterium – vorgestellt:

An der Probestelle konnten zwar „nur“ einzelne Exemplare dokumentiert werden. Aber unter der Einbeziehung der Vorgeschichte, dass hier früher gar keine Exemplare festgestellt worden sind und unter Berücksichtigung, dass der Schneider inzwischen in der Nidda wieder heimisch ist, konnten so diese einzelnen Exemplare als diejenigen bewertet werden, die jetzt „schon“ bis in die Usa aufsteigen konnten.

Als ein weiteres plastisches Beispiel für die Bewertung von Messergebnissen und  Ursachenforschung wurde an einer Messstelle ein punktuell hoher Ammoniumwert dargestellt. Die Immissionsbelastung wurde entsprechend nach dem hessischen Leitfaden für Immissionsbetrachtung dahingehend untersucht, ob die punktuellen Einleitungen aufgrund hydraulischer Belastung so relevant für die schlechte Biologie sind.
Für diese Strecke zeigte sich aber, dass die Hydraulik hierfür nicht die Ursache sein kann und dass das Abflussverhalten ausreichend ist. Also musste eine andere Ursache der hohen Belastung zu Grunde liegen.
Durch die Bewertung aller Komponenten soll als Ergebnis festgestellt werden, auf welche Ursachen im Einzelnen jede Belastung zurückzuführen ist und an welchen „Stellschrauben“ überhaupt und in welcher Reihenfolge gedreht werden muss, damit eine Verbesserung erreicht werden kann.
Für den überhöhten Ammoniumwert nach Regenereignissen an dieser Probestelle, konnte so letztendlich festgestellt werden, dass die punktuelle Belastung auf einen falsch angeschlossenen Hausanschluss in der Ortschaft, die über zwei getrennte Abwassersysteme verfügt, zurückzuführen war.

Fazit: Alle Vorträge haben eindrucksvoll gezeigt, was ehrenamtliche Arbeit leisten kann und dass es realistisch ist, solche zielführenden Projekte auch anderorts auf Vereinsebene oder auf Ebene der Hegegemeinschaften durchführen zu können.

Auch im Rahmen der Umsetzung der EU-WRRL kann auf Basis der Hegegemeinschaften in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Behörden oder Gemeinden, entsprechende Projekte in Angriff genommen werden.

Dr. Susanne Vietze
VHF-Fachbeirat Naturschutz