Kreisgruppe Hersfeld-Rotenburg

 
Wo der Karpfen regiert - Fahrt ins "Karpfenland Aischgrund"
 

Das "Karpfenland Aischgrund" war das Ziel der diesjährigen Informationsfahrt der Kreisgruppe 15 Hersfeld-Rotenburg, der sich in traditioneller freundschaftlicher Verbundenheit auch Teilnehmer der benachbarten Kreisgruppe 14 Vogelsberg angeschlossen hatten.
Dieses rund um die mittelfränkischen Städte Neustadt an der Aisch und Höchstadt an der Aisch gelegene Teichgebiet ist eine der bekanntesten und größten Karpfenzuchtregionen in Deutschland. Naturräumlich-geologisch gehört der Aischgrund zum fränkischen Keuperbergland, dessen wasserstauende Keupertone die Grundlage der vielen Weiher bilden. Rund 1.200 Teichwirte bewirtschaften dort heute ca. 7.185 Teiche mit einer Fläche von etwa 3.000 ha. Diese in Europa einzigartige Teichwirtschaft hat nicht nur wirtschaftliche sondern auch eine hohe kulturelle Bedeutung. Tausende Teiche, vereinzelt oder zu großflächigen Weiherketten ausgewachsen, geben dieser wunderschönen Landschaft ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Charme. Die Karpfenzucht im Aischgrund ist seit über tausend Jahren etabliert und der Karpfen ist nicht nur in den Weihern allgegenwärtig, er ist ein wahres Kulturgut, dem man auf Schritt und Tritt begegnet. So war das Aischgründer Karpfenmuseum in Neustadt auch das erste Fahrtziel, zu dem Leonhard Thomann, seines Zeichens Karpfenteichwirt aus Poppenwind, die Reisegruppe führte, nachdem er die rund 35 Fahrtteilnehmer an der Autobahnabfahrt Höchstadt-Ost begrüßt hatte.
Das im Alten Schloß in Neustadt eingerichtete Museum bietet vielfältige Information über die Geschichte der Karpfenteichwirtschaft, den Jahreskreislauf der Teichwirtschaft, die Ökologie rund um den Teich, die Evolution der Fische, die Karpfenzucht im Besonderen, aber auch über die Kulturlandschaft Aischgrund sowie über Eßkultur und Brauchtum und Kunst im Zusammenhang mit dem Karpfen.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen in der historischen Kohlenmühle in Neustadt schloß sich eine Kutschfahrt durch das NSG "Vogelfreistätte Weihergebiet Mohrhof" zwischen Poppenwind und Hesselberg an. Dieses NSG ist ein ausgedehnter Teichkomplex mit bald 100 Teichen. Es ist 129 ha groß und Teil einer kleinräumig gegliederten Kulturlandschaft aus Äckern, frischen bis nassen Wiesen, Teichen und Kiefernforsten. Die Vogelfreistätte ist ein Schutzgebiet von europäischem Rang. Hier wurden bis zu 240 Vogelarten nachgewiesen. Im Frühjahr und Spätsommer nutzen zahlreiche Watvögel wie Bekassine, Kampfläufer und Grünschenkel das Weihergebiet zur Rast. Häufige Brutvögel sind Lachmöwe, Blesshuhn, Tafel- und Reiherente.
Die Teiche im NSG werden von Karpfenzüchtern bewirtschaftet, wodurch sie erhalten werden. Ohne Bewirtschaftung würden die Wasserflächen durch Verlandung binnen weniger Jahre verschwinden. Allerdings wußte der Kutschenführer, selbst Teichwirt, von den Bewirtschaftungserschwernissen durch die Naturschutzauflagen zu berichten. Aber die Erkenntnis, daß die Karpfenteiche als Teil der mehr als tausendjährigen Kulturlandschaft nur durch Nutzung erhalten werden können, ist inzwischen auch in Naturschutzkreisen gewachsen.
Karpfenteichwirt Leonhard Thomann verdeutlichte im Anschluß an die Kutschfahrt anhand einiger selbstgefertigter Informationstafeln die Ökologie und die Nahrungspyramide im Karpfenteich. Die Naturnahrung in den Teichen, welche die Ernährungsgrundlage der Karpfen während des üblichen dreisömmerigen Umtriebs ist, bildet die Grundlage für die hohe Qualität der erzeugten Karpfen. Zugefüttert wird allenfalls mit Getreide aus örtlichem Anbau.

Nach Abschluß des ausgesprochen informativen Programms verabschiedete Leonhard Thomann die Reisegruppe mit besten Wüschen für eine gute Heimkehr.

Die Fahrt hatte Kreisgruppenkassierer Heinz Jürgen Ziesing zusammen mit dem Busunternehmer Carsten Arndt aus Breitenbach a. H. ausgearbeitet, der auch selbst den Reisebus chauffierte. Carsten Arndt gab während der Hin- und Rückreise immer wieder informative Hinweise zu touristisch interessanten Orten und Baulichkeiten beiderseits der Autobahnen A7 und A3, während Leonhard R. Peter die Aufmerksamkeit der Fahrtteilnehmer auf die geologisch und landschaftlich interessanten Dinge lenkte, welche im Vorbeifahren von der Autobahn aus zu sehen waren.

Leonhard R. Peter

Der Karpfen ist im Aischgrund allgegenwärtig…     Foto: W. Deiss Mit 2 mal 2 PS im Natschutzgebiet unterwegs         Foto: W. Deiss
   
Hessenfischer im Karpfenland                                    Foto: W. Deiss Alles was wichtig ist auf zwei Tafeln…                           Fotos LRP