Veranstaltungen
 
 

Kooperationsveranstaltungen der Oberen Fischereibehörden des RP Darmstadt und des RP Kassel mit dem Verband Hessischer Fischer

 
Fortbildung zum Thema "Erstellung von Hegeplänen"
Am 1. März 2014 fanden zeitgleich in Darmstadt und Kassel die Seminare zum Thema Hegeplanerstellung statt.

Beide Lokalitäten waren ausgebucht, jeweils über 50 Teilnehmer kamen in die Fischerhütte des AV Darmstadt und in das Vereinsheim des SAV Chassalla. Der Kreis der Anwesenden erstreckte sich von Vereinsgewässerwarten bis hin zu Vorsitzenden schon bestehender Hegegemeinschaften. Dem entsprechend ging auch das Interesse weit über die reine Hegeplanerstellung hinaus in Richtung Gründung und Verwaltung einer Hegegemeinschaft. Zumal mit den Referenten der beiden Regierungspräsidien entsprechend kompetente Ansprechpartner anwesend waren.

Karl Schwebel, Rgst Süd des VHF, bedankte sich bei den Teilnehmern für das große Interesse an diesem Seminar und übergab das Wort an Dr. Christian Köhler, Leiter der Oberen Fischereibehörde (OFB)beim RP Darmstadt.
Dieser begrüßte die Teilnehmer im Namen seiner Behörde und ging in der Einführung auf die Verankerung der Hegeplanerstellung im §24 HFischG ein.

Patrick Heinz, ebenfalls Mitarbeiter der OFB, stellte in seiner Präsentation die prinzipiellen Grundlagen der Hegepläne, wesentliche Aspekte der fischereilichen Bewirtschaftung sowie das für den Regierungsbezirk Darmstadt beabsichtigte Verfahren zur Abstimmung von Hegeplänen mit den rechtlichen Vorgaben der Natura 2000 Richtlinie und der EU Wasserrahmenrichtlinie vor.
Downloads unter:
http://www.rp-darmstadt.hessen.de/irj/RPDA_Internet?cid=3d19173b982b72360388b8bc49ba7414

Karl Schwebel stellte den Zuhörern einen Teilabschnitt des Hegeplanes an der Modau vor. Dieser wurde im Jahr 1999 - 2001 erstellt, kurz nach der Bildung der Hegegemeinschaft (HG) Modau. Diese HG wurde im Vorgriff der gesetzlichen Entwicklung in Hessen von Anrainerkommunen, Angelfischern und Naturschützern gegründet und existiert bis heute in dieser losen Form.
Der Hegeplan wurde in zwei Tranchen von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein erstellt. Als Grundlage diente ein Dokument, das von den Fischereiberatern des RP Darmstadt erstellt wurde. Alle Inhalte wurden seinerzeit an unzähligen Untersuchungstagen von G. Lautenschläger und K. Schwebel erarbeitet und in den Hegeplan eingearbeitet. U.a. gehörten dazu die Bestimmung der biolog. Gewässergüte, Strukturerfassung, Analysen der chemischen Parameter und die Fischbestandsermittlung per Elektrofischerei. Dieser Hegeplan wurde im Laufe der Jahre noch durch 3 Elektrobefischungen ergänzt, um die Entwicklung des Fischbestandes vergleichen zu können. Erweitert durch die neuen Regelungen bzgl. Abstimmung mit den Oberen Naturschutz- und Wasserbehörden wird er Grundlage für die weiteren Arbeiten vor Ort sein.

Ebenfalls angesprochen wurde der Bewirtschaftungsplan des Heegstücksees in Biebesheim, Pachtgewässer des Verbands Hessischer Fischer, der auf Basis eines modifizierten Hegeplankonzeptes erstellt wurde. Diese Arbeit hat sich Jahre später bei der Antragstellung zur Kormoranvergrämung bezahlt gemacht, da der Plan wesentlicher Bestandteil in den Antragsunterlagen war - und bis heute ist!

Rainer Hennings ging in seinem Vortrag auf die Arbeiten zum Hegeplan Gersprenz ein. Dieser wurde von 1999 - 2001 erstellt. Träger war seinerzeit die Interessengemeinschaft der Gersprenzpächter. Die Arbeiten waren wesentlich umfangreicher wie an der Modau, beispielsweise war die Elektrofischerei oft nur per Boot möglich. Inhaltlich sind auch hier Daten der biologischen Gewässergüte, chemische Parameter und Ertragsberechnungen der Pächter eingeflossen. Es konnte hier aber schon auf behördliche Strukturdaten zugegriffen werden.
Im Rahmen seiner Arbeiten für die Umsetzungsplanung der EU-WRRL sind dann die heutigen Werkzeuge wie GESIS, WRRL Viewer und Natura2000 Viewer zum Einsatz gekommen. Welche Vorteile und Nutzen diese Programme heutzutage mit sich bringen hat Rainer eindrucksvoll dargelegt.

Links:

Gewässerstrukturgüte Informationssystem GESIS
http://www.gesis.hessen.de/irj/GESIS_Internet

Kartenservice zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Hessen, WRRL Viewer
http://wrrl.hessen.de/viewer.htm

Umsetzung der FFH- und Vogelschutzrichtlinie in Hessen, Natura 2000 Verordnung
http://natura2000-verordnung.hessen.de/start.htm

In Kassel hieß Christoph Laczny von der Oberen Fischereibehörde des RP Kassel die Teilnehmer willkommen. Er gab in seiner Präsentation Empfehlungen für eine effiziente und strukturierte Erstellung von Hegeplänen und stellte das Hegeplanmuster sowie den Leitfaden zur Erstellung eines Hegeplans gemäß § 24 HFischG als Angebote des Landes Hessen vor.

Unser Präsident, Rjurik Nentwig, hatte sich für eine Teilnahme in Kassel entschieden und begrüßte dort die Teilnehmer im Namen des Verbands Hessischer Fischer

Durch den weiteren Seminartag führte unser VHF-Referent Gewässer Nord, Jens Eligehausen.
Jens übernahm in Kassel thematisch den Part, welchen Rainer in Darmstadt bearbeitete. Welche Werkzeuge stehen bei der Hegeplanerstellung zur Verfügung. Wo und wie ist es möglich vorhandene Daten zu finden, um sie dann im Hegeplan zu verwenden.

VHF-Präsidiumsmitglied Dr. Uwe Koop stellte in seinem Vortrag den ersten in Hessen von den Behörden akzeptierten Hegeplan der Hegegemeinschaft Lahn II vor. Die Hegegemeinschaft Lahn II umfasst die Lahn zwischen Marburg und Wetzlar mit 51 Nebengewässern und einer Länge von 267 km, 49 Fischereirechtsinhabern und Pachtvereinen.
Das Problem bei der Erstellung des Hegeplans, so Koop, lag weniger in den fischereilichen Planungen, als in der Abstimmung mit den Naturschutzbehörden. Alle Schutzgebiete mit ihren Maßnahmenplänen im Gewässereinzugsgebiet sind darzustellen und in den Hegeplan aufzunehmen, auch wenn sie nicht direkt mit dem Gewässer in Zusammenhang stehen. Sicherlich sind auch gewässerferne Schutzgebiete ein Gewinn für den Naturraum, so dass mittelbar Schutzmaßnahmen dort langfristig auch dem Gewässer zugutekommen.
Die fischereilichen Planungen wurden in der Hegegemeinschaft Lahn II ausschließlich an bekannten und im Internet veröffentlichten Daten orientiert. Der Hegeplan wird nicht mehr als ausgedrucktes Werk verteilt, sondern alle Fischer der Hegegemeinschaft können sich die jeweils aktuelle Version aus dem Netz herunterladen. Die Hegegemeinschaft hat hierzu die Homepage www.hg-lahn2.de eingerichtet. Die Bewirtschaftung der Fischbestände erfolgt nach dem System der Fischregionen, wobei die HG Lahn II bis zur Barbenregion alle Gewässertypen umfaßt. Der Fischbestand, der tatsächlich in der jeweiligen Region vorhanden ist, wird mit dem Ideal- Bestand verglichen; hieraus ergibt sich, welche Fischarten bewirtschaftet werden und welche Arten besondere Hegemaßnahmen erfahren sollen. Besatz wird, wo möglich, als "gefördertes Besatzprojekt" durchgeführt. Interessant war, dass trotz zahlreicher Angelvereine und intensiver Befischung der potentielle Ertrag der Gewässer von den Anglern nur zum Teil gefangen wird, Einschränkungen bei der Beanglung der Gewässer mussten daher nicht festgelegt werden.

Anmerkung des Verfassers: Beide gut besuchten Seminare sind als Kooperationsveranstaltung der Oberen Fischereibehörden und unseres Verbandes sehr gut umgesetzt worden. Der Themenmix aus gesetzlichen Vorgaben, behördlicher Unterstützung und praktischer Arbeit war ausgewogen und verständlich.

Karl Schwebel

 
Die Teilnehmer in Darmstadt
Foto: K. Schwebel
Christoph Laczny von der Oberen Fischereibehörde beim RP Kassel (re. stehend) gibt Infos zur Erstellung von Hegeplänen
Foto: J. Eligehausen