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Position zu "Ökostrom" aus Wasserkraft

 
Wasserkraft ist kein Ökostrom!
Position

Der Betrieb von Wasserkraftanlagen hat auf unsere fließenden Gewässer eine unglaublich nachhaltige schädliche Wirkung, die den meisten Menschen und auch Politikern nicht bekannt ist.
Da diese fragwürdige Energiequelle sich hinter dem Begriff "Öko", zum Beispiel "Ökostrom" oder "Naturstrom" verbirgt, glauben die unwissenden Befürworter, dass dieser Strom wirklich ökologisch und nicht gewässer- und tierfeindlich ist.
Leider ist das krasse Gegenteil der Fall, wie an einigen Beispielen nachfolgend angeführt:

Artenverlust: Für jede Wasserkraftanlage ist ein Aufstau eines bis dahin fließenden Gewässers notwendig. Durch den Aufstau geht das Fließgewässerkontinuum verloren und damit einhergehend der Verlust von vielen Arten, die auf den Lebensraum eines fließenden Gewässers mit Flachwasser, Kiesbänken, niedrigeren Temperaturen etc. angewiesen sind. Meistens sind die Gewässer mehrfach gestaut, sodass das gesamte Fließgewässer als Lebensraum für angestammte Arten für immer zerstört ist.

Erwärmung des Wasserkörpers: Durch abnehmen der Fließgeschwindigkeit in den teils sehr langen Stauhaltungen erwärmt sich der Wasserkörper im Sommer stark auf. Die Löslichkeit des Sauerstoffs im Wasser nimmt rasant ab und bei Algenbildung durch im Regelfall vorliegende Eutrophierung kommt es in den Nachtstunden zu erheblichen Sauerstoffdefiziten durch Dissimilation - und am Tag durch Assimilation zu hohen O2 - Übersättigungen, dass bei Kiemenatmern die Kiemen durch "verbrennen" geschädigt werden. Durch Algenbildung ergeben sich hohe pH-Werte (>10!) durch biogene Entkalkung.
Ohne dass es jemand merkt, greift der schleichende Tod besonders bei Jungfischen still und heimlich um sich und löscht den größten Teil des Nachwuchses aus!

Methangasbildung: In den Stauhaltungen lagert sich Detritus und anderes organisches Material ab, welches ständig verrottet und dabei erhebliche Mengen Methangas erzeugt, welches ein 20 mal stärkeres Treibhausgas als CO2 ist! Allein dadurch kann bei der Stromerzeugung aus Wasserkraft mehr CO2 erzeugt werden als bei der Verbrennung von Kohle zur Erzeugung der gleichen Strommenge (vgl. Die Welt v. vom 21. Juli 2000, die einen Artikel des New Scientist zitierte).

Fischschäden durch Turbinen und Rechen: Da die Betreiber von Wasserkraftwerken in der Regel ca. 95 Prozent des Abflusses in einem Gewässer durch die Turbinen leiten, werden etwa die abwandernden Wanderfische, die dem Hauptwasserstrom folgen, ebenfalls die Turbinen durchqueren und werden darin - je nach Turbinentyp, Höhenunterschied, Druckverhältnissen, Durchflussgeschwindigkeit u.ä. in hohen Raten mehr oder minder schwer verletzt oder getötet. Die Tötungsraten liegen zwischen 30 und 100 Prozent je Anlage! (vgl. hierzu: http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/00721/index.html?lang=de
Es ist davon auszugehen, das z.B. aus den Mittel- und Oberläufen der Rhein - Seitengewässer (wie auch in anderen Gewässersystemen Deutschlands) kein einziger Aal, Lachs- oder Meerforellensmolt (vgl. Foto 8) den zum Meer führenden Strom erreicht. Darüber hinaus werden alltäglich eine unglaubliche Vielzahl von anderen Fischen und Wasserorganismen täglich in den Turbinen getötet. Die Wasserkraftanlagen tragen zu einem ganz erheblichen Teil zum absehbaren Aussterben des Aales (vgl. Fotos) bei und verhindern den Erfolg der Wiederansiedlungsprojekte mit Lachsen und Meerforellen.

Fischschäden durch Rechenanlagen: Vor den Turbineneinläufen sind Stabrechen mit lichten Stababständen von bis zu >10 Zentimetern montiert. Manche Bundesländer haben, wohl wissend um die gravierenden Arten- und Tierschutzprobleme in den WKA, die Rechenweiten drastisch verringert. Hessen z.B. auf 15 mm. Aber auch hier passen noch Aale
bis zu einer Größe von 40 Zentimetern Länge hindurch und geraten immer noch in die Turbinen. Alle großen und kleinen Wasserkraftanlagen haben keinen ausreichenden oder gar wirksamen Fischschutz. An einzelnen kleinen Anlagen hat man "Lochblechrechen" oder "Rollrechen" eingebaut, die den Schutz der Fische bei kleinen Anlagen mindestens teilweise gewährleisten können. Doch ohne Zwang baut kein WKA-Betreiber solche Rechen ein.
Auch wenn die Fische durch schmale Rechenabstände nicht mehr direkt in die Turbinen geraten, so bleiben sie vom hohen Wasserdruck vor den Rechen hängen und werden vom Rechenreiniger zerdrückt.

Fischabstiegsanlagen: Als Fischabstiegsanlagen werden von den Betreibern (und auch Behörden) immer Bypässe propagiert. Es gibt allerdings keinen Bypass der bisher funktioniert hat! Wenn 95% des Wassers durch die Turbinen fließen geraten mindestens 95% der Fische auch vor den Rechen oder in die Turbinen. Vielleicht rein zufällig finden auch etwa 5% der Fische den Bypass und erreichen unverletzt das Unterwasser, was so nicht mehr auch aus Tier- und Artenschutzgründen nicht mehr hingenommen werden darf. Andere Fischabstiegsanlagen gibt es nicht. Von den Betreibern der Wasserkraftanlagen wurde noch niemals ein Versuch unternommen, auf eigene Rechnung funktionierende Fischabstiegsanlagen zu entwickeln oder über Ingenieure entwickeln zu lassen!

Fischaufstiegsanlagen: Fischtreppen sollen den Fischen die Aufwärtswanderung in gestauten Gewässern ermöglichen. Bei den meisten bestehenden Anlagen wurden die Anlagen als Alibi, da von den Behörden vorgegeben, gebaut. Ältere Anlagen funktionieren meistens überhaupt nicht, werden von den Betreibern dicht gemacht, damit jeder Tropfen Wasser durch die Turbinen läuft.
Neuere Fischaufstiegsanlagen funktionieren zwar eingeschränkt, doch kann die beste Fischaufstiegsanlage die natürlichen Verhältnisse in einem fließenden Gewässer niemals und auch nicht ansatzweise ersetzen. Leider glauben dies alle Politiker!

Große und kleine Wasserkraftanlagen: Laut Bundesregierung gibt es in Deutschland 7.700 Wasserkraftanlagen. 350 davon erzeugen 90% des Stromes aus Wasserkraft (tatsächlich aber 95%) was bedeutet, dass die restlichen 7350 Anlagen lediglich 5 oder max. 10% des Wasserkraftstroms erzeugen. Alle Anlagen und ganz besonders die kleinen sind besonders fischunfreundlich mit unglaublich hohen Schädigungs- und Tötungsraten bis zu 100%.
Eigentlich könnte man die 7350 Kleinanlagen sofort stilllegen, die Fließgewässer renaturieren ohne dass man es bei der Energieerzeugung merken würde! Wenige Windkraftanlagen würden diesen für Fische tödlichen Strom aus Kleinwasserkraftanlagen leicht kompensieren!
(vgl. hierzu die Kleine Anfrage: Drucksache 16/12504 der MdB Happach-Kasan u.a.
http://www.happach-kasan.de/?seite=news&katid=4&newsid=1257

Weitere Irrtümer bzw. Falschaussagen der Wasserkraft- und Ökostromlobby:
Die Ökostromlieferanten geben an, wenn man Ihnen die schädliche Wirkung ihrer Wasserkraftanlagen auf die aquatischen Lebensräume und Lebensgemeinschaften vorhält, dass sie den Wasserkraftstrom aus Norwegen oder aus Österreich (z.B. Donaukraftwerk Wien-Freudenau) beziehen würden. "Die norwegischen Wasserkraftwerke beispielsweise würden sehr strengen Umweltauflagen unterliegen, die in der dortigen Gesetzgebung "Water Resource Akt" geregelt seien. Sieht man sich selbst die neuesten Wasserkraftwerke in Norwegen an (z.B. Øvre Otta, Breidalsvatnet, Heggebottvatnet oder Skjåk) an, so stellt man fest, dass diese keinesfalls deutschen Anforderungen entsprechen, weder funktionierende oder meistens überhaupt keine Fischaufstiegsanlagen haben ganz zu schweigen von irgendwelchen Fischabstiegsanlagen.
Das immer wieder angeführte Donaukraftwerk Freudenau (Wien/Österreich) wird mittlerweile von allen Ökostromlieferanten als Bezugsquelle genannt. Es produziert etwa 1000 GWh pro Jahr. Da alle Ökostromanbieter dieses Kraftwerk nennen, ist zu fragen, wer die verkaufte Strommenge überwacht? Darüber hinaus haben Flusskraftwerke max. 120 Vollwassertage an denen die max. Leistung erbracht wird, daher wurde auch hier "gutgerechnet"!
Die Naturfreundlichkeit des Kraftwerks Freudenau lässt nach den vorliegenden Unterlagen sehr zu wünschen übrig! Der Fischaufstieg funktioniert nur selektiv und ist nicht zufriedenstellend. Zum Beispiel wirkt der Fischaufstieg auf die Nase lt. Gutachten als "Migrationsbremse"; d.h. der Fischpass wird von dieser häufigen Art der Donau nicht durchwandert. Auch die häufig vorhandene Barbe zeigt die mangelnde Funktionsfähigkeit der Fischaufstiegsanlage, da pro Jahr lediglich 200 bis max. 1000 Exemplare den Fischpass benutzt haben. Ebenso schlecht sieht es bei anderen Fischarten auch aus.
Für den Fischabstieg wurde nichts getan: Im Turbineneinzug wurde angeblich eine elektrische Fischscheuchanlage eingebaut. Allerdings sind nur Elektroden (lt. ÖKF lediglich Attrappen) sichtbar und ohne Funktion. Die lichte Weite des Rechen beträgt 173 Millimeter (!) und bietet überhaupt keinen Schutz für abwandernde Fische, d.h. in den Turbinen werden massenhaft Fische verletzt und getötet. Von Ökostrom keine Spur - auch nicht aus deutschen WKA!
Fazit: Wie an den beiden angeführten Beispielen ersichtlich, die stellvertretend für alle anderen Wasserkraftanlagen stehen, wird hier lediglich weitgehend CO2-freier Strom erzeugt, doch nicht ökologischer Strom! Ebenso ist Strom aus Pumpspeicherkraftwerken kein Ökostrom, da er mit Überkapazitäten überwiegend aus Atom- und Kohlekraftwerken in den Speicher gepumpt wurde.

In der kurzen Abhandlung sind alle Facetten der Unwahrheiten und Irrtümer über Ökostrom aus Wasserkraft nicht aufzeigbar. Politiker aller Couleur unterliegen leider dem Irrglauben, wir könnten die Wasserkraft weiter ausbauen, weil Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlagen die negativen Folgen auf unsere Fließgewässer kompensieren würden.
Dem ist leider nicht so und deshalb muss über die Wasserkraft insgesamt im Sinne des vorliegenden Papiers neu nachgedacht und neu bewertet werden und kleine, ineffektive Anlagen stillgelegt und den Gewässern ihre natürlich, vielgestaltige Form mit durchgängig fließender Welle zurückgegeben werden. Unsere Fließgewässer sind die "Lebensadern unserer Landschaft", deshalb dürfen sie nicht für eine nicht nennenswerte Stromgewinnung missbraucht werden!

Würden Politiker die Wahrheit über den Strom aus Wasserkraftanlagen aus eigener Anschauung kennen, sie würden das Wort Ökostrom aus Wasserkraftanlagen aus ihrem Wortschatz sofort verbannen und alles dagegen unternehmen, um dem Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz gerecht zu werden!

Würden die gutgläubigen Ökostrom beziehenden Stromverbraucher diese Wahrheiten kennen, sie würden diesen Strom sofort aus ihren Haushalten verbannen.

Daher: Kein Bezug von "ÖKOSTROM" aus Wasserkraft

Das ist kein grüner Strom - sondern blutroter Strom, vom Blut der Fische, die tagtäglich in diesen Anlagen tierschutzwidrig gequält und getötet werden.

Der Tierschutz, der erst vor wenigen Jahren als Staatsziel in unser Grundgesetz aufgenommen worden ist, wird hier sträflich ignoriert!


Winfried Klein
Verband Hessischer Fischer e.V.