Krebsbestände erhalten durch Fangen und Verspeisen

Der Verband Hessischer Fischer will die vom Aussterben bedrohten Krebsarten erhalten - Bestände in Taunus und Odenwald haben sich erholt
 
Einst besiedelten Steinkrebse in ganz Hessen die quellnahen Oberläufe von Flüssen und Bächen. Ebenso häufig war auch der Edelkrebs von der Äschenregion abwärts bis zu den Mündungsgebieten der großen Flüsse anzutreffen. Vor gut 40 Jahren wurden die Krebsbestände durch den eingeführten amerikanischen Kamberkrebs und den aus Schweden stammenden Signalkrebs stark dezimiert, bis hin zur Ausrottung. Sie übertragen die eingeschleppte Krebspest, die für unsere heimischen Arten tödlich ist.
Deshalb war es unser Anliegen, in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV) die Krebs- und Muschelbestände zu erfassen und Erhaltungsmaßnahmen einzuleiten.
Der Edelkrebs (Astacus astacus), größtenteils verdrängt durch den ebenso schmackhaften nicht heimischen Signalkrebs.
Foto: Björn Kral
 

Eine der Maßnahmen ist es, die ungebetenen Krebse aus den gefährdeten Gewässern rauszufangen. Einige Vereine veranstalten ein Hegefischen mit Krebssenke und Stippangel, andere wie die Fischereigemeinschaft Einrich-Aar rückte dem Signalkrebs mit Reusen auf den Leib. Die Mitglieder der Fischereigemeinschaft hatten auf einem Teilstück ihrer rund 35 Kilometer langen Pachtstrecke an der hessischen Aar am Abend 30 Krebs-Reusen ausgelegt (Die Reusen hatte dankenswerterweise das Regierungspräsidium Darmstadt zur Verfügung gestellt). Schon nach 2 Stunden waren die Angler über das Ergebnis überrascht, fast 500 Krebse wurden gefangen. "Ob das am Köder Hundefutter lag, oder ob die Aar stark besiedelt ist, wird eine Wiederholungsaktion im September zeigen", so der Vorsitzende Achim Franken. Mit Kräutersud und Butter wurden die Scherenträger lecker zubereitet und genüsslich verspeist. Fangen und Verspeisen = Schutz durch Nutzung, eine Aktion die empfehlenswert ist.
Um den Erhalt heimischer Flusskrebse sicherzustellen, hat sich der konservierende Artenschutz also der Schutz bestehender Vorkommen als alleiniges Werkzeug als ungenügend erwiesen. Deshalb ist der Besatz eine unverzichtbare Vorraussetzung zum Erhalt der extrem stark bedrohten Krebsarten, welche unter anderem ein wichtiges Glied innerhalb der aquatischen Lebensgemeinschaft bildet.
Wir bitten die Angelvereine auch weiterhin um Unterstützung und uns entsprechende Meldungen über Vorkommen mitzuteilen. (Erfassungs- und Fragebogen finden Sie unter www.hessenfischer.net > Naturschutz > Krebsprojekt). Auch der Verdacht eines Vorkommens von Krebsen ist eine Meldung wert, wir lassen das durch Fachleute des Verbandes überprüfen. Und keine Angst: Wenn tatsächlich ein Bestand der seltenen heimischen Arten vorhanden ist, folgt daraus keinesfalls die Ausweisung von Schutzgebieten gegen den Willen des Fischereirechtsinhaber. Schließlich ist das Vorkommen in der Regel nicht trotz, sondern gerade wegen der fischereilichen Bewirtschaftung erhalten geblieben!

ghs