Renaturierungsmaßnahmen landauf landab -
am Anfang waren die Angler . . .

Früher waren die Bäche und Flüsse wild und passten ihren Weg zum Meer der Landschaft an. Dann kamen die Menschen und passten sie ihren Zwecken an. Es wurde begradigt, eingedeicht, Staustufen und Wehre gebaut. Die größeren Flüsse wurden zu Schifffahrtsstraßen entwickelt, die einem günstigen umweltfreundlichen Transport dienten.
Doch in dem Maße, in dem die technische Entwicklung voran ging, verschlechterten sich die Bedingungen für die Fische und alle ans Wasser gebundene Lebewesen. Der zunehmenden Verschmutzung durch Abwässer fielen viele Arten zum Opfer, andere, wie z.B. Lachs, Meerforelle, Nase und Barbe verschwanden, weil sie aufgrund der Querverbauungen nicht mehr zu ihren Laichplätzen zurückkehren konnten.
Anfang des 1900 Jahrhunderts, waren es allein die Fischereiverbände mit ihren Angelvereinen, die diese Missstände erkannten und öffentlich kritisierten. Es blieb nicht nur bei der Kritik, sondern man begann auch örtlich mit dem Einbringen von Totholz, Störsteinen und Kies, um die Strukturvielfalt der kleinen Fließgewässer zu beeinflussen. Dies geschah damals ohne behördliche Genehmigung, ehrenamtlich ohne großen Aufwand per Hand oder mit Hilfe von Vereinsmitgliedern aus der Baubranche. Durch die ständigen Forderungen und konstruktiven Eingaben der Angler begann man auch mit dem Umbau von Kläranlagen. Durch die zahlreichen Anzeigen gegen illegale Gewässereinleitungen trugen unsere ausgebildeten Gewässer- und Naturschutzwarte weiter dazu bei, dass strengere Umweltrichtlinien für unsere Gewässer erlassen wurden. Heute sieht man es so manch kleinem Fließgewässer gar nicht mehr an, dass hier schon einmal Hand angelegt wurde. Im Gegenteil, die Gewässerökologen beurteilen diese Gewässer in der Erfassung zur Wasser-rahmenrichtlinie (WRRL) als naturnah und erhaltenswert. Heute wäre so ein eigenmächtiges Vorgehen gar nicht denkbar. Ohne teure fachliche Gutachten und Planungen sowie letztendlich professionelle Umsetzung geht es nicht. Bei den Renaturierungsmaßnahmen sind vor allem die Kommunen gefragt und es ist erfreulich und gut, dass das Land Hessen diese mit entsprechenden Fördergeldern bedenkt. Wie aus der Presse zu erfahren häufen sich in letzter Zeit die Renaturierungsprojekte in Hessen - der Winkelbach, Wickerbach, Moosbach, Nieste, Efze, Mümling, Lumda, Heuchelbach - um nur einige zu nennen.
Diese erfreuliche Tendenz geschieht aber nicht aus freien Stücken oder gar aus der Erkenntnis (diese wäre dann arg spät), dass hierdurch die Gewässerökologie deutlich verbessert wird oder einem wachsenden Umweltbewusstsein, wie es das Umweltministerium in der Presse glauben machen möchte, sondern aus Zwängen, die sich aus der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ergeben. Bis spätestens 2015 muss die europäische Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt sein, alle Bäche und Flüsse sollen dann einen "guten ökologischen Zustand erreicht haben, was im übrigen schon immer die ureigenste Forderung der Fischereiverbände war. Somit wäre es nur folgerichtig, wenn die Gemeinden den ortsansässigen Angelverein und die Hegegemeinschaft über die Planungen informieren, besser noch auf die Fachkenntnisse der Naturschutz- und Gewässerwarte zurückgreifen würden. Zumindest sollte der Naturschutzverband Hessischer Fischer e.V. beratend hinzugezogen werden.

Ein Wiesenbach 1957 "schwarz" renaturiert, heute ein naturnah eingewachsenes Bächlein (Dornbach)
Foto: ghs

Lesenswert auch hierzu das Büchlein von Dr. Werner H. Baur, mit dem Titel "Renaturierung kleiner Fließgewässer mit ökologischen Methoden". Er gibt vielseitige Anregungen kleine Fließgewässer ökologisch aufzubessern oder zu renaturieren und dies mit einfachen ökologischen Methoden. Durch die beschriebenen kostengünstigen Umsetzungen können die Kommunen enorme Finanzierungsmittel einsparen. Die zeitgemäße Gewässerunterhaltung hat die Aufgabe, das natürliche Erscheinungsbild und die ökologischen Funktionen der Gewässer zu entwickeln und zu erhalten. Es kann daher sinnvoll sein, gerade mit einfachen kleinen Maßnahmen, z.B. wie Totholz im Gewässer zu belassen, für Strukturverbesserung zu sorgen. Das Buch wendet sich an alle Naturschützer in Fischerei, Behörden, Wasserunterhaltungsverbänden und Angelvereine mit eigenen Gewässern.
Zu beziehen in jeder Buchhandlung oder direkt bei: LFV BW Verlag und Service GmbH, Reitzensteinstr. 9, 70190 Stuttgart. Der Preis beträgt 10,95 €.

Günter Hoff-Schramm