Gemeine Binsenjunger

 
Libelle des Jahres 2016
 

Sie ist wohl die häufigste der in Europa vorkommenden 8 Teichjungfernarten. Ihre Körperlänge ist ca. 35 bis 40 mm, die Flügelspannweite variiert zwischen 35 und 48 mm. Die Männchen bekommen mit der Geschlechtsreife neben tiefblauen Augen eine wachsartige blaue Bereifung des Hinterleib-Segmentes. Die Weibchen haben einen gedrungenen Hinterleib mit einem ausgeprägten Legeapparat mit deren Hilfe sie unter Wasser in Pflanzenreste Löcher einstechen, in welche sie jeweils ein Ei legen. Die Eier überwintern im Pflanzengewebe. Im April des Folgejahres schlüpfen die Larven. Binnen zwei Monaten haben die Larven ihre Entwicklung abgeschlossen, so dass ab Anfang Juni die ersten Exemplare schlüpfen. Bei Großlibellen dauert die Entwicklung der Larven bis zu 3 Jahre. Die Gemeine Binsenjungfer besiedelt kleine stehende Gewässer mit seichtem Uferbereich und Verlandungszonen mit Sauergräser und Binsenbewuchs. Flugzeit ist Anfang Juni bis Ende September.

Binsenjugner (Lestes sponsa) Binsenjungfer verspeist ein Insekt               Fotos: Günter Wagner

Günter Wagner


Wir beobachten an der Lahn, dass seit Ende der 90er Jahre langsam aber sicher alle Libellen wieder zurückgekehrt sind. Wir hatten den rapiden Rückgang der Libellenarten in den 60er Jahren genau beobachtet und man konnte sich damals keinen Reim darauf machen. Obwohl die Wasserqualität sich infolge des Baues von Kläranlagen in der Lahn etwas verbesserte, zeigte sich nur die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx) in wenigen Exemplaren. Unsere Vermutung des Rückgangs aller Libellenarten machte stutzig und wir glaubten, dass es eigentlich nur mit dem Verschwinden der gesamten Wasserflora (nur die gelbe Teichrose blieb mit ca. 50% ihres ehemaligen Bestandes erhalten) zu tun haben musste. Libellen benötigen aufgetauchte Wasserpflanzen wie Laichkräuter, gemeinen oder flutenden Hahnenfuß u.ä. um sich fortpflanzen zu können. Dabei fiel auf, dass die Wasserpflanzen etwa zum gleichen Zeitpunkt in der Lahn verschwunden waren, wie die Libellenarten auch. Was lag näher, als das dies der Grund sein musste.

Nach unseren Beobachtungen war die Ursache des Wasserpflanzenschwunds Anfang der 60er Jahre in (fast) allen Fließgewässern Deutschlands die Verwendung von Herbiziden mit langen Halbwertzeiten von bis zu 600 Tagen - z.B. Atrazin, Simazin, Nitrofen u.ä (Auskunft Biol. BA). Wegen solch langer Halbwertzeiten und der Jährlich mehrmaligen Ausbringung kommt es in den Gewässern durch Einschwemmungen aus mit Herbiziden behandelten Flächen zu Kumulierungen und Überkonzentrationen, die natürlich auch auf die Wasserpflanzen (zweikeimblättrige) wirken.
Es begann über Jahre ein unglaublich umfassender Schriftverkehr mit den meisten Herstellern und der Biologischen Bundesanstalt. Jedenfalls konnten wir erreichen, dass die genannten Mittel und andere mit solchen langen Halbwertzeiten vom Markt genommen wurden. Die Folge war erstaunlich, denn nach etwa 2-3 Jahren kamen, zuerst spärlich und dann immer mehr, alle Wasserpflanzen von oben nach unten in die Lahn zurück! Zuletzt kam der Flutende Hahnenfuß (Ranunculus fluitans), der erst in den letzten Jahren sein von früher gekanntes Ausmaß wieder erreicht hat. Heute fällt jedoch auf, dass der Flutende Hahnenfuß mengenmäßig jährlich stark schwankt, scheinbar auch sehr empfindlich gegen die heutigen Herbizide (verniedlicht "Pflanzenschutzmittel") auf Basis "Round up - Glyphosat empfindlich ist. Wenn zum Beispiel in der beginnenden Vegetationsphase Starkregenereignisse stattfinden und das Lahnwasser vom abgeschwemmten Lehm aus den Flächen braun gefärbt wird, kommen zwangsläufig auch noch vorhandene, nicht abgebaute Restmengen von z.B. Glyphosat (Halbwertzeit bis zu 152 Tage lt. BfR) in das Gewässer und vernichten oder beeinträchtigen zumindest den Flutenden Hahnenfuß.
Unsere diesbezüglichen Beobachtungen haben sich gerade in den letzten beiden Jahren ziemlich verfestigt! Wir werden an dem Thema dran bleiben und sicher weitere Erkenntnisse gewinnen.

Abschließend muss noch erwähnt werden, dass zum Beispiel alle Gehwege und öffentliche gepflasterte Plätz gesetzwidrig von Bürgern und fast allen Gemeinden mit Herbiziden abgespritzt werden und diese bei Regen sofort in Kläranlagen und in die Gewässer abgeschwemmt werden.
Die Ausbringung der Herbizide ist nur in landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Flächen erlaubt.
Jedenfalls haben wir, die Fischerei, mit unserem hier beschriebenen jahrzehntelangen Kampf gegen Langzeitherbizide einen riesigen Beitrag nicht nur zu den aktuellen Biodiversitätsstrategien der Länder sondern vor allem für den Libellenschutz geleistet! Mit den heute wieder in der alten Pracht an unseren Gewässern fliegenden Libellen, haben wir nicht nur eine Augenweide in Form der wunderschönen Fluginsekten zurückgeholt, sondern auch ein gutes Stück unserer Lebensqualität, von der nicht nur die Angler profitieren!

Winfried Klein
Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Vorsitzender der IG-LAHN
Gewässerwart Fischerei-Sportverein Oberlahn e.V. 1885 und für 45 Kilometer Pachtgewässer Lahn zuständig.