Ein Weihnachtsmärchen, das im Sommer war . . .
 

Es war einmal ein schönes naturnahes Gewässer, das sich lieblich durch das Tal schlängelte. Man nannte es Schmale Sinn, klar und rein mit einem noch natürlichen Fischaufkommen.


Die Badeanstalt des Herrn Wackelkopp,
Abriss erfolgte nach der Badesaison   Foto: ghs

Der heiße Sommer bewog den Gartenanlieger Karl Wackelkopp eine Bademöglichkeit an seinem Grundstück einzurichten. Schnell wurden ein paar Steine in das Flussbett eingebaut, mit Holzstämmen verfestigt und anschließend mit Grassoden verdichtet. Das Wasser stieg allerdings nur langsam, da der Sommer 2015 von großer Trockenheit geprägt war. Daher hatte er noch Zeit eine feine Badeplattform, die auch als Sprungturm zu nutzen war am Ufer einzubauen. Nachdem eine brauchbare Badetiefe erreicht war konnte Karl Wackelkopp sich an dem kühlen Nass erfreuen. Doch die Freude dauerte nicht lange.


Der Viehvertritt am Bach - Ökologie zerstört,
geduldet, geduldet, geduldet    Foto: ghs

Es begab sich zur gleichen Zeit, dass Bauer Schlampes seine Kühe an der Schmalen Sinn auf die Weide trieb. Diese zertraten das Ufer des Flüsschens so massiv, dass Schlammeintrag und die Verkotung durch die Rinder zu einer starken Gewässertrübung führten. Das führte dazu, dass das mühevoll errichtete Pool welches flussabwärts lag, die Badefreuden von Herrn Wackelkopp im wahrsten Sinne des Wortes trübten. Das konnte und wollte er nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeanruf bei der zuständigen Wasserbehörde des Kreises sollte es richten. Oh wunder, ein Herr namens Schneuzer nahm sich seines Problems an und veranlasste, dass Bauer Schlampes seine Kühe auf eine andere Weide umsiedeln musste. So kehrte wieder Frieden ein im schönen Sinntal und Wackelkopp genoss viele schöne Stunden im und am Wasser.

Diese Ruhe sollte nicht lange dauern, denn am Ufer kam ein kleines Männlein mit Strohhut dahergelaufen, Don Alfredo, der Herr über Fisch und Wasser, der einzige Gewässerökologe und Fischkundige im ganzen Sinngrund, er machte Wackelkopp lautstark klar, dass diese gesetzeswidrige Verbauung sofort zu entfernen sei. Auch in der Gesetzeskunde war er bewandert und somit bei den Obrigkeiten des Königs Buba nicht gerne gesehen.
Als er von Wackelkopp hörte, welcher Tölpel ihm das genehmigt hatte ging ihm der Strohhut in die Luft. War es nicht jener Mann, der allen Gewässeranliegern im Königreich erlaubte, mit Wasserpumpen aus allen Gewässern Wasser zu entnehmen, so viel sie wollten, einige nutzten die Großzügigkeit dieser Behörde und installierten gar feste Pumpwerke. Selbst Bauer Schlampes stand jeden Abend an der Sinn und spritzte seine Kühe sauber, nachdem sie ein ausgiebiges Schlammbad in der Sinn genommen hatten. Das war zu viel, Laichplatzvernichtung, illegale Wasserentnahme, Uferzerstörung, Querverbauungen und Wasserverschmutzung. Don Alfredo musste handeln, zumal die anhaltende Trockenheit und das wilde Treiben der Wasserpumper schon sichtbar zu ökologischen Schäden führte.
Er bekam eine Audienz bei König Buba und trug seine Bedenken vor. Aufgrund der starken Beweislast forderte er ein unverzügliches Handeln so wie es das Gesetz im Lande auch vorsehe. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, knallte er dem König eine tote Äsche auf den Tisch die, wie so viele andere Fische auch unter diesen geduldeten Missständen an der Sinn, an Sauerstoffmangel eingegangen war.
König Buba aber war ob dieser Dreistigkeit erbost, seine behördlichen Vasallen mit solchen Forderungen aus ihrem Dornröschenschlaf des Nichtstuns zu wecken. Er wies Don Alfredo die Tür und drohte mit Teeren und Federn, sollte er nicht von seinen unverschämten Naturschutzforderungen lassen. Wo kämen wir da hin, wenn jeder einfordern würde, bestehende Gesetze auf Einhaltung zu überprüfen und gar noch zu sanktionieren. Das würde Arbeit und Ärger bedeuten in diesem schönen ruhigen Sinntal. So blieb alles wie es war und es änderte sich nichts. Doch es kam der Tag als Don Alfredo . . .

Wenn Sie, liebe Leser ein Ende dieses Märchens erwarten, so muss ich Sie leider enttäuschen.
Dies ist eine unendliche Geschichte und nicht alle Dinge sind so wie sie scheinen, und manche werden nie geschehen, es sei denn, man steht auf und beginnt, wie Don Alfredo sie zu verändern.
Die Fortsetzung zu diesem Märchen können Sie auf der homepage der Arbeitgemeinschaft Sinntal www.arge-sinntal.de einsehen. Aber Vorsicht, es ist nichts für Gewässerschützer mit hohem Blutdruck.

Die Handlung sowie die handelnden und nicht handelnden Personen in diesem Märchen sind frei erfunden. Mögliche Ähnlichkeiten zu Personen sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

Günter Hoff-Schramm