Wiederansiedlung der Quappe im Lahnsystem

 
Ein Beitrag zur Biodiverstätsstrategie Hessen
 


Die Quappe (Lota lota)
Zeichnung Pavel Vrana

Die Quappe oder auch Aalrutte genannt ist der einzige Vertreter der dorschartigen Fische, die im Süßwasser vorkommt. Sie lebt in klaren, sauerstoffreichen Seen und Fließgewässern unterschiedlicher Größe sowie in Brackwasserbereichen der Ostsee. An ihrer einzelnen, langen Kinnbartel und zwei weiteren kurzen Barteln ist sie gut von anderen Süßwasserfischen zu unterscheiden. Sie wird bis 60 cm lang und hat einen länglichen Körper, der vorne rund und zum Schwanz hin seitlich abgeflacht ist. Auf gelbbrauner oder oliver Grundfarbe trägt sie eine dunkle Marmorierung. Nachts geht sie auf Jagd nach Fischen und Wirbellosen oder frisst Laich.

Die Quappe ist einer der am weitesten in Eurasien verbreiteten Fische - doch auf Hessen trifft das heute leider nicht mehr zu. Früher kam sie in fast allen Fließgewässersystemen Hessens bis in die Forellenregion vor. Auch in Lahn und Dill wurde sie vor dem zweiten Weltkrieg noch häufig gefangen. Doch dann wurde die Wasserqualität dramatisch schlechter und sie verschwand. Die Quappe ein hervorragender Speisefisch und wurde daher früher gern gefangen. Was die Wassertemperatur angeht, ist sie sehr anspruchsvoll - sie ist ausgesprochen kälteliebend. Ihre Laichzeit liegt in den kalten Wintermonaten, da sie zur Fortpflanzung kaltes Wasser zwischen 0,5 und maximal 4°C benötigt. Da viele Flüsse in der Vergangenheit für Fische nicht mehr durchwanderbar waren, konnte sie nicht mehr aus eigener Kraft aus dem Rhein in die Lahn zurückkehren. So ist sie in Hessen sehr selten geworden und aus dem Lahnsystem komplett verschwunden. Sie kommt bei uns heute nur noch unterhalb der Niddatalsperre, in der Kinzig und im Edersee vor. Auf der roten Liste Hessens wird sie mit Stufe 3 als gefährdet eingestuft und darf daher nach dem Fischereigesetz ganzjährig nicht befischt werden.
Im Rahmen der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie Hessen hat die IG-LAHN mit Unterstützung der Oberen Fischereibehörde beim RP Gießen und den Fischereivereinen Bischoffen und Herborn-Seelbach die Wiederansiedlung der Quappe im Lahnsystem in Angriff genommen.

Als erstes Besatzgewässer wurde die Aar ausgewählt, die bei Herborn in die Dill fließt und die passende Wasserqualität bietet. Der Bereich unterhalb der Aartalsperre ist für die Wiederansiedlung bestens geeignet: Hier fließt das ganze Jahr über kaltes Tiefenwasser aus der Talsperre ab, wodurch das Gewässer kühler bleibt. Nach dem Besatz am 26. Oktober 2015 können nun die ersten 3.000 jungen Quappen mit einer Länge von ca. 10 cm ihren neuen Lebensraum in Aar und Dill erobern. Es werden weitere Besätze erfolgen und wir wollen erreichen, dass das gesamte Lahnsystem wieder mit dieser Fischart rückbesiedelt wird.

Und so können wir die Quappe hoffentlich bald wieder großräumig in ihrer alten Heimat antreffen. Denn im Sommer 2016 ist eine Kontrollbefischung geplant, um die natürliche Ausbreitung der Fische in der Aar und Dill nach über 80 Jahren zu ermitteln. Bis die nacht- und winteraktiven Fische jedoch wieder in größerer Zahl anzutreffen sind, können 10-15 Jahre vergehen, da die Weibchen erst mit 4 Jahren geschlechtsreif werden.

Winfried Klein
Vors. IG-LAHN

Zwei Flyer zum Thema Biodiversitätsstrategie Hessen - Artenvielfalt in unseren Gewässern sichern -
stehen hier zum Download bereit.