Natur für Freizeitschifffahrt geopfert!

 
Wegen Umbauarbeiten an der Schleuse Diez hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt den Lahnpegel am vom 21. April bis zum 27. April zwischen den Wehren Limburg und Diez auf etwa 8 Kilometer total abgesenkt. Das heißt, dass das Wehr in Diez ganz gezogen wurde und der Wasserstand auf den Restabfluss von etwa 8 m3/s reduziert war. Ursache dafür war, dass an der Schleuse Diez der Schleusenboden betoniert werden sollte. Anstatt zur Schonung der Ökologie und vor allem der Organismen der Lahn die Schleuse von der Lahn abzuspunden, zog man die Schleusenklappen hoch, so dass z.B. Paddelboote unter dem Wehr hindurch lahnabwärts (oder auch aufwärts) fahren konnten. Begründet wurde diese ökologisch unglaublich schädliche Maßnahme mit "Termindruck", was in Klartext bedeutet, dass die Termine eingehalten werden "mussten", damit die Schifffahrt mit Ausflugsschiffen, Motoryachten und Motorbooten möglichst schnell wieder möglich werden sollte. Was aber auch heißt, dass auf die Ökologie eines Gewässers - die leider immer noch Bundeswasserstraße ist - und auf alle darin lebenden Organismen keinerlei Rücksicht genommen wurde! Da die Laichzeit schon weitgehend abgeschlossen war, gibt es wohl bei den meisten Arten in diesem Jahr keinen Nachwuchs. Der Schaden ist unermesslich und in Geld nicht bezifferbar! Es wird viele Jahre dauern, bis sich dieser Lahnabschnitt wieder erholt hat.

Nach unseren Recherchen sind zwischen Limburg und Diez etwa 2,5 Millionen Sumpfdeckelschnecken und mehr als 100.000 Flussmuscheln aber auch ein Riesenheer von Kleinkrebsen, Insektenlarven, Asseln, Egeln (alles Fischnährtiere und eine Vielzahl andere mehr vernichtet worden. Darüber hinaus sind jede Menge Wasserpflanzen bei der intensiven Sonneneinstrahlung vertrocknet! Auch Krötenlaichschnüre, vertrocknete Froschlaichklumpen sowie schon geschlüpfte Kaulquappen waren in der Uferregion zahlreich zu finden.

Besonders groß war der Schaden im neu angelegten Altarm in Staffel, der sich auch noch als Fehlkonstruktion zeigte. Hier waren massenhaft Fische, überwiegend junge Nasen, Rotaugen, Muscheln, Schnecken und die gesamte Benthosfauna in zurückbleibenden Tümpeln eingeschlossen, von denen dann einer großer Teil in dem sich schnell aufwärmenden Wasser erstickte. Der riesige Schaden hätte zumindest minimiert werden können, wenn man diese Maßnahme wenigstens im Spätherbst gemacht hätte, wenn alle ökologischen Prozesse im Gewässer abgeschlossen sind.

Es ist einfach eine Schande, dass das Freizeitvergnügen auf der Lahn, ab diesem Jahr sogar mit Hausbooten, den zuständigen Behörden viel wichtiger ist als der Lebensraum eines Flusses mit den vielen streng geschützten Arten.

Über Ostern liefen im HR und SWF Fernsehen mehrmals Beiträge über die Lahn. In allen Beiträgen wurde die Lahn als das schönste Gewässer in Deutschland und Europa vorgestellt. Luftaufnahmen sollten dies bestätigen. Es mag ja sein, dass es aus der Luft schön aussieht, doch was hier zwischen Diez und Limburg unter Wasser zum Vorschein kam, wiederlegt diese übertreibende Darstellung des Fernsehens brutal: Herausgekommen ist eine Steinwüste, die man nur als den größten und eintönigsten Steinbruch weit und breit beschreiben kann, der im wahrsten Sinne des Wortes einer Wüstenei gleich kommt! Im gesamten rheinland-pfälzischen Lahnverlauf auf mehr als 60 Kilometern hat man die Lahn in den letzten ca. 150 Jahren so zugerichtet! Eine wahre Schande!
Was soll in einem solchen Lebensraum leben? Ich habe mich schon immer gewundert, dass die Vereine in Rheinland-Pfalz solche grottenschlechte Fangergebnisse ausweisen. Dies ist mir nun vollends klar geworden! Wenn ich Fisch wäre, würde ich mir auch einen anderen Lebensraum suchen!

Bleibt nur noch das Gesamtresümee für die Lahn:
Von oben gesehen hui - von unten pfui!

Winfried Klein


Ein Paddelboot fährt unter der hochgezogenen Wehrklappe durch.
Das Wasser ist aus der Strecke von fast 8 km abgelaufen und damit
sind die meisten Fische nach Rheinland-Pfalz weggeschwommen
Leergelaufener Altarm bei Limburg-Staffel
   
Nasen und Muscheln und andere Tiere Zum Vorschein kam eine 7,5 km lange Steinwüste zwischen Limburg und Diez                                                 Fotos: W. Klein