Die Natur als Ersatzreligion oder moderner Ablasshandel
 
Immer mehr Menschen in Deutschland leben in Städten. Waren es um 1800 noch etwa 25% der Menschen, die in Städten lebten, so sind heute schon etwa 75% der Deutschen Städter.
Arbeitsplätze, Infrastruktur, kulturelle Angebote und kurze Wege machen das Leben in Städten erstrebenswert.
Mit dieser Entwicklung entfernen sich die Deutschen immer mehr von natürlichen Lebensräumen, die Natur wird für die meisten von uns immer unwirklicher.
Wir Deutsche lieben aber trotz dieser Entwicklung die Natur. Das war schon in der Romantik so und wird in unseren Tagen immer stärker; das, was wir in den Städten nicht haben, verklärt sich in den Köpfen der Städter zu einer Art Ersatzreligion.
An Wochenenden geht man die Natur als Wanderer, Mountainbiker, Geocacher usw. zu huldigen.
Natürlich immer mit einem schlechten Gewissen, denn die Lebensweise der Städter ist in der Regel alles andere als naturfreundlich.
Straßenbau, Autoverkehr, Landverbrauch, Oberflächenversiegelung, CO² und Energieverbrauch sind Übel, die uns ständig als Umweltsünden vorgehalten werden. Was hat uns das "German Waldsterben" bedrückt, heute redet niemand mehr davon!
Organisationen, wie NaBu, BUND und wie sie alle noch heißen, nützen dies geschickt, indem sie uns vorgaukeln, sie könnten uns in eine reine Natur zurückführen. Aktuell ist es die Ausbreitung des Wolfes, der in der Lehre dieser Heilsbringer den Stadtmenschen suggeriert, sie seien schon auf dem rechten Weg zu einer intakten Natur. Die Landbevölkerung fragt man nicht, welche Einschränkungen sie durch diese Entwicklung hinnehmen muß und versucht sie mit Entschädigungen aus Steuergeldern still zu halten.
Um diesem schlechten Gewissen, das unsere betrübte Seele drückt, wenigstens etwas entgehen zu können, wählt man als Städter grün und unterstützt Umweltaktivisten. Und je stärker diese Organisationen werden, desto mehr versuchen sie ihre Sicht der Dinge, man könnte auch sagen, ihre Ideologie oder Ersatzreligion zu manifestieren.
Bei der Betrachtung dieser Entwicklung fällt mir spontan das Wirken eines Dominikanermönches ein, der vor fast fünfhundert Jahren gestorben ist: Johann Tetzel. Ja richtig, der mit dem Ablasshandel, der den strenggläubigen Katholiken versprach: "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt."
Ähnlich wie heute NaBu und Co. den verunsicherten Städtern Umweltsünden, hat die katholische Kirche vor fünfhundert Jahren ihren Gläubigen mit teilweise unmenschlichen Dogmen kirchliche Sünden vorgehalten, die zu unendlich langem Fegefeuer geführt haben.
Damals wie heute machte man die unkritischen Anhänger glauben, man könne durch Geldspenden seine Schuld erleichtern.
Die katholische Kirche hat in der Vergangenheit davon prächtig gelebt, der Klerus wurde immer dekadenter und mit den Ablassgeldern wurde u.a. der Petersdom in Rom gebaut.
Ich frage mich, was mit den von unseren heutigen Umweltorganisationen gehorteten Geldern geschieht, abgesehen davon , daß man Unsummen dafür nutzt, um weitere "Gläubige" und damit die Meinungshoheit in Sachen Naturschutz mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit zu erringen.
Das unsägliche, unwürdige Ablasswesen der katholischen Kirche hat einen anderen Mönch, Martin Luther, dazu veranlasst, seine berühmten 95 Thesen an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg zu nageln. Mit diesen Thesen wendet sich Luther gegen die von der Kirche geschürte Angst vor dem Fegefeuer und insbesondere gegen den Ablasshandel.
Ich hoffe in dem Glaubenskrieg um die richtige Antwort auf Umweltfragen auf einen neuen "Ökoluther", der uns verzagten Zeitgenossen den Weg zu einer ideologiefreien, nicht ökonomisch orientierten Herangehensweise bereitet.
"Sollen die Werke gut sein, so muß zuvor der Mann gut sein, der sie tut, denn wo nichts Gutes inne ist, da kommt nichts Gutes raus."
Diesen Lutherspruch sollten sich alle diejenigen zu Herzen nehmen, die uns mit ihren Heilsbotschaften zu reglementieren versuchen.

Rjurik Nentwig