Zusammenfassung der zehn Besatzfisch Kernbotschaften
Teile 1, 2 und 3

 
Studie "Besatzfisch analysiert Fischbesatzmaßnahmen
 
siehe hierzu auch die Anmerkung der Redaktion


Am 22.11.2014 trafen sich Angler, Vertreter von Angelverbänden, Wissenschaftler, Naturschützer sowie Vertreter von Behörden und Politiker in Hannover zur Abschlussveranstaltung des, unter Leitung von Prof. Dr. Robert Arlinghaus, durchgeführten und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt für inter- und transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung am Beispiel der Fischerei- kurz: Besatzfisch.

Ziel dieses innerhalb von fünf Jahren durchgeführten Projektes war die Untersuchung von Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur am Beispiel der angelfischereilichen Nutzung von Gewässern.

Die Ergebnisse (die 10 Besatzfisch-Kernbotschaften) des Projektes wurden den Anwesenden in den folgenden wissenschaftlichen Vorträgen vorgestellt:

1. Besatz als sozial-ökologisches Phänomen (Prof. Dr. Robert Arlinghaus)
2. Umfang von Besatz durch deutsche Angelvereine, Einstellungen zu Besatz von Gewässerwarten und Anglern (Dr. Carsten     Riepe, Thilo Pagel)
3. Additive Effekte von Hecht- und Karpfenbesatz (Daniel Hühn)

Im Anschluss an die Vorträge folge eine Diskussionsrunde sowie eine Poster Vernissage, während welcher sich die Gelegenheit ergab, mit den Wissenschaftlern der jeweiligen Fachbereiche zu diskutieren und Fragen zu stellen.

Am Schluss der Veranstaltung folgte die Premiere des Besatzfisch-Films. Der Film, Impressionen der Veranstaltung, das Programm sowie die Besatzfisch Broschüre und Poster sind auf der Besatzfisch Homepage verfügbar: http://besatz-fisch.de/

In der folgenden, drei-teiligen Zusammenfassung möchte ich die zehn Besatzfisch Kernbotschaften vorstellen.

Die zehn Besatzfisch Kernbotschaften Zusammengefasst - Teil 1

1. Die Nutzung und der Schutz von Gewässern und Fischen werden durch die Angelfischerei sowie fachgerecht durchgeführten Fischbesatz vereint.

Es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen der Angelfischerei und deren Kritikern. Wie Besatzfisch Recherchen zeigten, sind diese Konflikte zumeist ideologischer Prägung. Oftmals wird unsachgemäß durchgeführter Besatz, durch welchen ganze Ökosysteme in Mitleidenschaft gezogen werden, als Kritikpunkt erwähnt.

Besatzfisch ging diesem Kritikpunkt mit einer deutschlandweiten Befragung auf den Grund. Hierzu wählte Besatzfisch zufällig 2.000 Angelvereine aus und befragte diese schriftlich zu ihren Hegebemühungen.

Die Ergebnisse des Besatzfisch Projektes zeigen das fachgerechte Hege, welche ebenso den fachgerecht durchgeführten Besatz einschließt, keinesfalls zu einer unnatürlichen Fischartenvielfalt in bewirtschafteten Gewässern führt. Dies betrifft Naturseen ebenso wie künstlich angelegte Seen.

Zu beachten ist jedoch das Besatz lediglich zur Unterstützung für eine sich entwickelnde oder zu erhaltende Fischart dienen sollte.

2. Nach den Angaben der Entscheidungsträger in Angelvereinen ist der Fischbesatz das zentrale Hegeinstrument in der deutschen Angelfischerei und wird es auch bleiben.

Der Besatz von Fischen - zumeist Karpfen, Weißfische, Bachforellen und Aale - hat sich in vielen Angelvereinen zur
Routine-/Traditionsmaßnahme entwickelt. Nach Klein (1996) überschätzen Angler die Erfolgsaussichten des Besatzes systematisch.

Laut Besatzfisch setzten deutsche Angelvereine eine Mindestmenge von 77 Millionen Fischen, was ca. 3.690 Tonnen Fisch entspricht, in Binnengewässern aus. Besatzfisch verweist darauf, dass es sich hierbei um eine Unterschätzung handelt. Aus methodischen Gründen blieben viele Besatzaktivitäten (z.B. Berufsfischer) von dieser Studie unberücksichtigt.

Da Besatz aufgrund der Ansichten der Entscheidungsträger und dem Druck der Anglerschaft in der deutschen Angelfischerei nicht mehr weg zu denken ist, ist es wichtig, den Entscheidungsträgern Handreichungen für nachhaltigen Besatz zu geben. Diese sollten einfach zu verstehen sein, um einen fachlichen Besatz in der Praxis flächendeckend zu etablieren

3. Gegenüber anderen Hegealternativen wird der Fischbesatz von organisierten Anglern bevorzugt, was in vielen Angelvereinen zu einer besatzbefürwortenden Grundstimmung führt und Fischbesatz somit als Routine-Hegemaßnahme angesehen wird.

Die durch Besatzfisch durchgeführten Befragungen ergaben erstaunlicherweise, das den befragten Anglern fangerfolgsfördernde Maßnahmen zwar wichtig waren, ihnen jedoch weniger wichtig war, in welcher Form (Bestimmungen, Beschränkungen, Besatz) diese Maßnahmen erfolgten.

Da sich viele Angler für Besatz aussprechen, ist die tatsächliche Annahme, das sich Besatz fangfördernd auswirkt. Laut den Umfragen von Besatzfisch unter Gewässerwarten ist der Wunsch der Vereinsmitglieder, einen Teil der Mitgliedsbeiträge in den Fischbesatz zu investieren, sehr groß. Die Mitglieder wirken somit einen sozialen Druck auf die Gewässerwarte aus Fischbesatz durch zu führen.

Neben in Pachtverträgen festgelegten Besatzverpflichtungen existieren oftmals auch ökonomische Gründe Fischbesatz durch zu führen. Kleine, überschaubare, geschlossene Gewässer werden oftmals sehr intensiv besetzt um den Mitgliedern gute Fangergebnisse zu ermöglichen.

Da Besatz von den Mitgliedern der Angelvereine gegenüber den Entscheidungsträgern erwartet bzw. gefordert wird, sollte bei der Kritik an dieser Praxis immer das gesamte Fischereisystem beachtet werden. Dies schließt ein das ein Bezug auf die Wissenschaft, Behörden, Verbände, Fischzüchter und die Mitglieder von Angelvereinen genommen wird zumal sich der Fischbesatz mittlerweile zu einer gewissen Tradition - ungeachtet von Sinn oder Unsinn - entwickelt hat.

4. Der Besatz von Fischarten mit nicht natürlicher Reproduktion in Gewässern, welche für die besetzten Fische geeignet sind, ist fischereilich gesehen zumeist erfolgreich. Der Besatz von Fischen mit natürlicher  Reproduktion ist dies jedoch nicht.

Besatzfisch untersuchte folgende Arten von Besatz:

- Erhaltungsbesatz: Besatz in Gewässern in welchen die besetzte Fischart ein nur geringes, natürliches Aufkommen aufweist und das Ab-Wachsen und Überleben der Besatzfische möglich ist.
- Ausgleichs- / Kompensationsbesatz: Besatz von Fischen in Gewässer in welchen sich die besetzten Fische bereits auf natürliche Art und Weise reproduzieren.

In Gewässern in welchen die Reproduktion bestimmter Fischarten entweder nicht oder nur stark eingeschränkt vorhanden ist, ist der Fischbesatz zwar erfolgversprechend, jedoch ist der Erfolg keinesfalls gewährleistet. Wenn jedoch ein sich reproduzierender Bestand in nennenswerter Größe vorhanden ist oder sich eine besetzte Fischart in nennenswerter Größe reproduziert, ist ein zusätzlicher Besatz, fischereilich gesehen, jedoch wirkungslos. Aus Sicht des fachlichen Naturschutzes kann ein Besatz in dieser Situation sogar negative, wenn nicht sogar problematische Auswirkungen haben.

Aufgrund der fehlenden, kontinuierlich durchgeführten Maßnahmen zur Ermittlung der Bestandsentwicklung bleiben die fehlenden Erfolge des Ausgleichbesatzes oftmals unentdeckt. Es ist daher zu empfehlen, den Besatz von sich natürlich reproduzierenden Fischarten verstärkt zu überprüfen. Die Experimente von Besatzfisch ergaben beispielsweise, das der Besatz von Junghechten in sich reproduzierende Hechtbestände fischereilich gesehen ohne Wirkung blieb.

In vom Menschen gestörten Gewässerökosystemen mit bedrohten Restwildbeständen ist es sogar ratsam den traditionell getätigten Besatz entweder entsprechend an zu passen oder situationsbedingt sogar komplett ein zu stellen.

Die zehn Besatzfisch Kernbotschaften Zusammengefasst - Teil 2

5. Für den Erhalt der heimischen biologischen Fischvielfalt stellt Fischbesatz unter bestimmten Bedingungen ein ökologisches Risiko dar. Fischbesatz sollte in solchen Gewässern nur mit genetisch nahestehenden und gesunden Fischen durchgeführt werden um die Risiken zu minimieren.

Wie unter anderem Baer (2007) und Lewin (2010) schon darauf hinwiesen, das Fischbesatz durch einzugsbebietsübergreifende Fischtransfers Risiken für die heimische, genetische Vielfalt dar stellt, so greift auch Besatzfisch dieses Thema auf.

So zeigte beispielsweise die, durch Besatzfisch durchgeführte, deutschlandweite Befragung von Angelvereinen, das nur ca. 50% der in Deutschland durchgeführten Besatzmassnahmen mit heimischen Arten innerhalb der jeweiligen Einzugsgebiete stattfinden und somit aus genetischer Sicht als unproblematisch zu betrachten sind. Besatzfisch spricht hier von unproblematisch, da es nicht zu befürchten ist, das es zu einer Vermischung evolutionärer Linien kommt.

Die Risiken einer evolutionären Vermischung bestehen insbesondere dann, wenn es zu einer erfolgreichen Vermischung durch das Hineinwachsen und dem Kreuzen natürlicher Bestände mit gebietsfremden Besatzfischen kommt.

Um die Vielfalt von lokalen Beständen einer bestimmten Art zu schützen und das Einkreuzen von genetisch fremden Beständen zu verhindern, sollte darauf geachtet werden, woher die gelieferten Besatzfische stammen. Dies gestaltet sich oftmals schwierig, da es keine Kennzeichnungspflicht für die Herkunft von Besatzfischen gibt.

Besatzfisch untersuchte mehrere tausend Proben von Hechten und Zandern und konnte nachweisen, dass in Deutschland mindestens drei verschiedene genetische Linien existieren:
- Oder und Ostsee
- Elbe und Nordsee
- Donau und Schwarzes Meer

Bzgl. des Einzugsgebietes des Rheins konnte Besatzfisch feststellen, dass es sowohl beim Hecht als auch beim Zander zur Vermischung zwischen diesen unterschiedlichen Populationen gekommen ist. Diese Vermischung führt Besatzfisch auf die besondere Empfänglichkeit von Einkreuzungen geschwächter Bestände zurück.

Oftmals erfolgt der Besatz von Fischarten mit Fischen ungeklärter Herkunft. Dies sollte - mit Ausnahme von Karpfen und Aal - zwingend vermieden werden da sich die negativen Folgen nur schwer abschätzen lassen und sich aus genetischen Bestandsvermischungen unter Umständen geschwächte Bestände entwickeln können.

Sofern möglich sollten Besatzfische aus dem jeweiligen Einzugsgebiet oder besser noch aus dem Besatzgewässer selbst (z.B. Abstreifen und eigene Zucht) gewonnen werden. Somit ist gewährleistet das sich durch diese gezielte Vermehrung, dem jeweiligen Standort angepasste Laichfische entwickeln. Bei Arten wie dem Lachs oder der Meerforelle wurde dies bereits erfolgreich in der Praxis durchgeführt.

Um eine solche fachliche Praxis zu verwirklichen, wird empfohlen Anglerpartnerschaften zu bilden, mit Fischzüchtern zusammen zu arbeiten oder sogar ein Satzfischsiegel ein zu führen, welches dem Käufer von Satzfischen garantiert das die bezogenen Fische an die lokalen Bedingungenangepasst sind. Zusätzlich würde hierdurch eine Transparenz für die Käufer (zumeist Angelvereine) gewährleistet werden. Für Fischzüchter würde diese Transparenz eine erhöhte Nachfrage durch lokale Angelvereine bedeuten womit Transporte über große Distanzen vermieden werden könnten und sich die Qualität der besetzten Fische ebenso erhöhen würde.

6. Die erfolgreiche Kommunikation der Prinzipien einer fachlichen Besatzpraxis muss lokal erfolgen da die meisten Angelvereine in Deutschland in Besatzfragen eigenverantwortlich agieren.

Bisher konnten nur selten wissenschaftlichen Belege für eine negative Auswirkung durch fehlerhaften Besatz erbracht werden. Dies fördert die wissenschaftliche Unsicherheit der Angler, lokale Populationen an zu nehmen und den Schutz dieser Populationen durch die entsprechenden Besatzprinzipien in der Praxis um zu setzen.

Wie Besatzfisch feststellte, sind die Prinzipien für eine gute, fachliche Besatzpraxis zwar geeignet die Anforderungen an die genetische Vielfalt innerhalb jeder Art zu erfüllen, jedoch existiert ein Wiederspruch zwischen den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben und der tatsächlichen Besatzpraxis zumal Angelvereine den Besatz oftmals in Eigenregie durch führen.

In vielen Bundesländern (unter anderem auch in Hessen) existieren entsprechende Vorgaben bzgl. Besatzmassnahmen. Die behördliche Überwachung ist jedoch nur - wenn überhaupt - in geringem Maße vorhanden. Hierzu stellte Besatzfisch fest, dass die Behörden den lokal agierenden Hegebetreibenden (zumeist Angelvereine) zutrauen, einen fachgerechten Besatz durch führen zu können. Gründe für die mangelnden Kontrollen durch Behörden sind zumeist Personal- und Ressourcenmangel sowie das hohe Arbeitsaufkommen für solche Kontrollen. Aus diesem Grunde wird Besatz oftmals in Eigenregie durchgeführt ohne das Verbände, Fachberater oder Behörden in die Planung und die Durchführung mit einbezogen werden.

Um einen Wandel in der "traditionellen" angelfischereilichen Besatzpraxis bewirken zu können, muss zwingend daran gearbeitet werden das die lokalen Entscheidungsträger, welche die jeweiligen lokalen Handlungsspielräume besitzen und beibehalten, über Kenntnisse verfügen, einen fachlichen Besatz durch führen zu können.

Dies kann nur bewirkt werden, indem lokale Forschungsarbeit geleistet wird, die Kommunikation der lokalen Angelvereine untereinander verbessert wird, sowie lokale Weiterbildungen für die Entscheidungsträger und die Angler vor Ort angeboten werden.

Beispielsweise könnten durch Fischereiverbände und Hegegemeinschaften ausgebildete Gewässerwarte die Angelvereine ihrer Umgebung ansprechen und lokale Informationsveranstaltungen, mit Unterstützung der jeweiligen Landesfischereiverbände und Hegegemeinschaften für die jeweiligen Entscheidungsträger und interessierte Angler anbieten, um so die fachliche Besatzpraxis auf lokaler Ebene zu vermitteln.

7. Über Fortbildungsseminare für Gewässerwarte und interessierte Angler lassen sich ausgewählte Grundlagen der guten fachlichen Besatzpraxis zwar vermitteln, besonders effektiv ist jedoch nur die Verknüpfung von Theorie und Praxis durch gemeinsam durchgeführte Besatzexperimente.

In Kooperation mit 17 Angelvereinen aus Niedersachen führte Besatzfisch eine einmalige bedeutende sach- und fachgerechte Fortbildung durch.

Im Zuge dessen wurde in elf Angelvereinen ein Frontalunterricht, wie er in der klassischen Gewässerwartsausbildung praktiziert wird, durchgeführt. Im Anschluss wendeten fünf Angelvereine die erlernten Prinzipien in der Praxis an. In sechs weiteren Angelvereinen wurde der Seminarinhalt stärker an alternativen Methoden zu Raubfisch-Besatz angelegt.

Besatzfisch wies nach, dass Fortbildungsseminare, welche in der klassischen Art und Weise über Frontalunterricht durchgeführt werden Wissen vermitteln können. Jedoch ist diese Art der theoretischen Vermittlung von Wissen nicht in der Lage die Einstellungen, Überzeugungen und Normen der Teilnehmer zu verändern. Teilnehmer einer Wissensvermittlung, welche theoretische und praktische Inhalte kombiniert und in Kooperation von Hegetreibenden und Fischereiwissenschaftlern durchführt, sind nach Erkenntnissen von Besatzfisch besser in der Lage Forbildungserfolge zu erzielen. Jedoch konnten, wie auch bei den klassischen, theoretischen Seminaren, keine Veränderung der Einstellungen, Überzeugungen und Normen der Teilnehmer festgestellt werden.

Um nachhaltiges, ökologisches Wissen zu fördern und die Überzeugung des notwendigen "traditionellen" Besatzes in der Anglerschaft zu verändern, hält Besatzfisch Anglerverbände und andere Weiterbildungsinstitutionen an, Lehrgänge und Schulungen vor Ort, bei den Vereinen durch zu führen. Auf solchen Seminaren können auf die jeweiligen Gegebenheiten angepasstes Wissen, Forschungsergebnisse und Praxis vereint und vermittelt werden. Laut Besatzfisch gibt es nach dem gegenwärtigen Wissensstand hierzu keine Alternative.

Da solche Projekte sehr aufwendig sind, empfiehlt Besatzfisch Verbänden und Behörden entsprechendes Fachpersonal, welches in der Lage ist, fachlich kompetente Workshops ab zu halten, biologisch zu arbeiten und gleichzeitig über pädagogisches Wissen verfügt, mit diesen Aufgaben zu beauftragen. Nur so wird der Kompetenzzuwachs der Vereine gefördert und führt so zu einer nachhaltigen Hege und Pflege.

Es wird weiterhin dazu angeregt Schnittstellen zu schaffe, welche Wissenschaft, Verbände, Behörden und Vereine intensiver zusammen führen.

Die zehn Besatzfisch Kernbotschaften Zusammengefasst - Teil 3

8. Als Grundprinzip für die anglerische Hege sowie das Besatzmanagement im Speziellen, wird dielLernfähige Hege und Pflege empfohlen. Diese stellt die Erfolge der durchgeführten Hegemaßnahme in Hinsicht auf die Erfolge dar.

Besatzfisch sieht bewusst davon ab, Empfehlungen für Besatzmassnahmen abzugeben. Der Grund hierfür ist, dass es nicht möglich ist, "kochrezeptartige" Empfehlungen zu geben, da jedes Gewässer einzigartig ist und sich von jedem anderen Gewässer unterscheidet. Maßnahmen zur Hege sowie der zahlenmäßige Besatz müssen an das jeweilige Gewässer angepasst werden.

Besatzfisch empfiehlt hier klar die lernfähige Hege und Pflege, d.h. anhand des Prinzips "Versuch macht klug" den optimalen Besatz zu bestimmen. Hierfür werden auf das jeweilige Gewässer angepasste Hegemassnahmen herausgestellt und diese dann in der Praxis ausprobiert. Im Anschluss werden die Ergebnisse mit den zuvor gesteckten Zielen verglichen so dass sich der Erfolg oder Misserfolg eindeutig erkennen lässt.

Die auf diese Art und Weise eingesetzten Hegemassnahmen sollten jedoch nicht als unveränderbar angesehen werden. Sie sollten kontinuierlich - im Zuge der lernfähigen Hege und Pflege - an die jeweiligen, im Gewässer herrschenden, Bedingungen anpasst werden. Auch die regelmäßige Hinterfragung von traditionellen Besatzmassnahmen wird hier mit eingeschlossen, selbst wenn sich diese Maßnahmen in der Vergangenheit bewährt haben.

Die lernfähige Hege und Pflege stellt somit einen Kreislauf, beruhend auf den folgenden Punkten dar:
- Analyse des Zustands sowie herrschender Probleme
- Bestimmung der Ziele
- Festlegung von Bewertungskriterien und Daten
- Prognose der erwarteten Ergebnisse
- Gegenüberstellung des Für und Wieder
- Entscheidung für ein Vorgehen
- Durchführung der Maßnahme
- Kontrolle des Erfolgs
- Vergleich mit den zuvor gesteckten Zielen
- Anpassung der Maßnahme

Da lernfähige Hege und Pflege auf einer strukturierten Vorgehensweise beruht, wird diese als das Mittel zur Wahl von Besatzfisch herausgestellt und empfohlen.

Durch die lernfähige Hege und Pflege sind die erzielten Ergebnisse letztendlich nachvollziehbar und werden somit von den Entscheidungsträgern der Vereine sowie deren Mitglieder angenommen werden.

9. Das traditionelle Fangbuch, in welchem zumeist nur die gefangenen Fische erfasst werden, sollte durch die Erfassung von Einheitsfängen (Fänge pro gefischter Zeit) abgelöst werden. Die Erfassung von Einheitsfängen lässt eindeutiger auf die Größe der vorhandenen Fischbestände schließen.

Fangstatistiken dienen vielen Angelvereinen als wichtiges Werkzeug zur Bestandserhebung. Hierbei werden jedoch oftmals nur die entnommenen Fische berücksichtigt. Bisher war nicht bekannt, ob diese "absolute Maßzahl" ein geeignetes Mittel darstellt.

Im Gegensatz zum von vielen Angelvereinen und Anglern geführten Fangbuch bieten Einheitsfänge einen sehr guten Anzeiger für die vorhandenen Fischbestände. Die in den traditionellen Fangbüchern erfassten Fänge geben jedoch nur Auskunft über die gefangene und mitgenommene Fischmenge sowie deren Gewicht.

Mit Einheitsfängen ist die Erfassung der gefangenen Fische je gefischter Zeit gemeint. Mit Ausnahme des Karpfens bietet diese Erfassung einen besseren Einblick in die vorhandenen Fischbestände. Aus diesem Grunde sollte zukünftig immer die gefischte Zeit sowie auch die Fänge der zurück gesetzten Fische (z.B. untermaßige oder durch Zufall während der Schonzeit gefangene Fische) erfasst werden. Besonders untermaßige Fische lassen Rückschlüsse auf eine natürliche Reproduktion zu.

Somit lassen sich mittels Einheitsfängen fundierte Aussagen über die Entwicklung der Fischbestände abgeben. Ebenso besteht nicht mehr die Abhängigkeit dass alle Angler ihre Fänge angeben müssen. Rückschlüsse auf den Bestand und die Entwicklung von vielen Fischarten lassen sich auch so schließen da die erfassten Ergebnisse einen genaueren Überblick geben.

10. Fischbesatz ist nur im Fall einer fehlenden oder stark eingeschränkten Reproduktion als geeignete Hegemethode anzusehen. Die Regulierung der Befischung sowie die natürliche Umgestaltung von Gewässern stellen in allen anderen Fällen eine geeignetere Hegemaßnahme dar. Die Besatzhöhe sowie die Notwendigkeit für Fischbesatz sollten regelmäßig überprüft werden.

Dass Besatz das letzte Mittel der Wahl sein sollte, um Fischbestände zu erhalten und zu fördern, wurde innerhalb der letzten 15 Jahre schon mehrfach von vielen Studien erwähnt. Jedoch hat sich der "traditionelle" Besatz innerhalb der Anglerschaft mittlerweile fest etabliert, so dass die allgemeine Meinung herrscht dass es ohne Fischbesatz keine Fische mehr in unseren Gewässern geben würde.

Besatzfisch zeigt jedoch auf, dass das Gegenteil der Fall ist. Denn gerade durch unbedachten Besatz können Fischbestände unter Umständen stark geschädigt werden. Viele von Vereinen und deren Entscheidungsträgern gut gemeinte Besatzmassnahmen führen unter Umständen dazu, dass sich die Bestände unnatürlich entwickeln, sich geschwächte Bestände entwickeln oder sogar in Gewässern natürlicherweise heimische vorkommende Fischarten durch Besatzfische verdrängt werden.

Somit sollte die bisherige, gängige Besatzpraxis sehr genau überdacht werden. In vielen Fällen stellen sich andere Hegemassnahmen wie beispielsweise Fangbestimmungen oder die Umgestaltung von Gewässern als geeigneter dar. In vielen Fällen können sich die bloße Überwachung der Fischbestände und deren Entwicklung ebenso als geeigneter erweisen als die Praxis des "traditionellen" Besatzes.

Umfragen zufolge, stellt die Förderung der natürlichen Vermehrung für Angler eine durchaus akzeptierte Alternative zu der gängigen Besatzpraxis dar. Gleiches gilt für die Einrichtung von Entnahmefenstern, welche sicherstellen, das kleine, unreife Laichfische eine Chance zur Vermehrung erhalten.

Eine weitere, akzeptierte Hegemassnahme kann die Schaffung von Laichplätzen, welche sich in Schongebieten befinden, sein. All diese Maßnahmen tragen zur natürlichen Vermehrung bei und sind in jedem Fall besser geeignet als bloßer, unbedachter Besatz.

Oftmals stellt jedoch die Schwierigkeit der Umsetzbarkeit solcher Maßnahmen eine so große Hürde für Gewässerwarte und Entscheidungsträger dar, so dass auf die einfachere Methode des "traditionellen", unbedachten Besatzes zurückgegriffen wird.

Besatzfisch gibt folgende, zusammengefasste, Empfehlungen für die Durchführung von fachgerechtem Besatz:

- Jeder Besatz sollte sehr sorgsam geplant und gegenüber Alternativen abgewägt werden.
- Vor dem Besatz sollte die Notwendigkeit von Besatz geklärt und ein überprüfbares Besatzziel festgelegt werden. Die   Klärung der Notwendigkeit bedeutet hier festzustellen, ob ein Defizit vorhanden ist, welches nicht durch andere Maßnahmen   ausgeglichen werden kann.
- Besatz sollte grundsätzlich nur mit heimischen, gesunden sowie genetisch und ökologisch angepassten Fischen erfolgen.
- Mit Ausnahme von Aal und Karpfen sollten nur dem Gewässer genetisch nahestehende Besatzfische gewählt werden.
- Besetzte Fische sollten "so groß wie nötig - so klein wie möglich" sein. Unter ökologischen Gesichtspunkten betrachtet,   macht ein Besatz mit großen (erwachsenen) Fischen nur dann Sinn, wenn kritische Engpässe im Larven- oder   Jungstadium umgangen werden müssen. Der Besatz von Jungfischen ist vor allen Dingen dann geeignet, wenn Engpässe   in den Laich- und Larvenlebenräumen bestehen oder eine natürliche Fortpflanzung nicht vorhanden ist. Der Besatz von   großen Fischen führt in den meisten Fällen zu einer Bestandssteigerung, welche von dem Vorhandensein eines natürlichen   Engpasses unabhängig ist. Um ein langfristiges Überleben von großen Besatzfischen zu sichern, ist jedoch ein naturnahes   Aufziehen der Besatzfische notwendig. Eine Studie von Besatzfisch zeigte klar auf, dass ausgewachsene, laichfähige   Hechte einen biologisch relevanten Besatzstress erleiden und das Überleben sowie die Fähigkeit zur Fortpflanzung   hierdurch beeinträchtigt wurde. Besatzfisch erklärt dies durch die durch den Transport erfahrene Belastung sowie dem   Erleben eines für die Besatzfische unbekannten Gewässers.
- Da für ein langfristiges Überleben besetzter Fische eine häufig unterschätzte Anpassung an Fraßdruck und die   vorhandenen Nahrungsorganissmen sowie eine genetische Anpassung an lokale Gewässerbedingungen notwendig ist,   sollten Besatzfische im Idealfall aus Wildbeständen stammen oder besser noch Nachkommen von Laichfischen aus dem   Besatzgewässer sein. Im Falle des Besatzes aus in Fischzuchten geborenen Fischen welche in Teichen groß gezogen   wurden, ist die Sterblichkeit wesentlich höher.
- Um eine höhere Überlebensrate der Besatzfische zu erzielen, ist die Vermeidung von Stress sowie eine Akklimatisierung an   das Besatzgewässer notwendig.
- Nur gesunde Fische sollten als Besatzfische in ein Gewässer gesetzt werden.
- Ist eine Kontrolle im Sinne der lernfähigen Hege und Pflege nicht möglich oder vorgesehen, sollte von Besatz Abstand   genommen werden.



Karsten Kalweit
Gewässerwart des ASV Kellerwald


Anmerkung der Redaktion

Das Ziel aller Besatzmaßnahmen und Wiederansiedlungen ist die Etablierung von stabilen, selbst tragenden Beständen. Neben der Gewässerbewertung bedarf es aber auch hinreichender Kenntnisse zum aktuellen Arteninventar sowie zu deren Möglichkeiten für eine natürliche Fortpflanzung innerhalb des Gewässers. Verbesserungen von Jungfischlebensräumen und Laichhabitaten sind immer vorrangig anzustreben. Dies alles wird seit Jahren bei den Fachveranstaltungen des Verbandes Hessischer Fischer e.V. erläutert und bei den im Verband organisierten Vereinen auch mit Hilfe der Fachreferate an den entsprechenden Gewässern umgesetzt. In Hessen sind somit die Ergebnisse der Studie "Besatzfisch" des Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) nicht neu.
Neu ist, dass diese Studie erstmalig in Deutschland den Umfang von Fischbesatzmaßnahmen der Angelfischerei, mit allen Vor- und Nachteilen systematisch erhoben hat und dort, wo noch Defizite bestehen einen brauchbaren Handlungsrahmen vorgeben.
Die Kernaussagen der Studie bestätigen, dass wir mit unserer Verbandsarbeit an Lösungen für nachhaltige Besatzstrategien in der Vergangenheit auf dem richtigen Weg waren und sind.

Günter Hoff-Schramm