Naturschutzbeauftragter leistet Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt

Erfolgreiche Nachzucht bedrohter Vogelarten
 
Der Verband Hessischer Fischer e.V. nimmt nicht nur seine satzungsgemäßen Aufgaben ernst, d.h. die "Hege und Pflege des Fischbestandes und die Reinhaltung der Gewässer", sondern setzt sich auch für die Erhaltung und den Schutz anderer Tierarten ein.

Ein hervorragendes Bespiel ist hier unser Naturschutzbeauftragter im Wetteraukreis, Günther Leps, Mitglied in den Angelsportvereinen ASV Nieder-Wöllstadt e.V. und Karbener Sportangler ASV Groß- und Klein-Karben e.V. Günther Leps engagiert sich seit Jahrzehnten zum einen in der Fischerei und im Schutz des aquatischen Lebensraumes und zum anderen in der Erhaltung von vom Aussterben bedrohten bzw. stark gefährdeten Vogelarten und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. So ist es Günther Leps gelungen, zwei nur noch vereinzelt in der Wetterau vorkommende Vögel nachzuzüchten.

Die Tüpfelralle (Porzana porzana), auch Tüpfelsumpfhuhn genannt, ein drosselgroßer grau-brauner Vogel aus der Familie der Rallenvögel gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht und ist eine Art des Anhangs I der EU-Vogelschutzrichtlinie. Sie bewohnt nasse Riedgras- und Binsenflächen, in denen der Hahn ein tiefnapfiges Nest baut. Die Henne legt sechs bis zehn gelblich-bräunliche Eier mit braunen Flecken, die von beiden Eltern 18 bis 19 Tage bebrütet werden. Die Jungvögel verlassen zwei bis drei Tage nach dem Schlüpfen das Nest und werden von beiden Eltern gefüttert. Günther Leps beringt die Jungvögel zwischen dem 7. und 14. Tag, denn er weiß, daß für besonders geschützte Vogelarten die Verpflichtung der Beringung und Meldung an die zuständige Behörde, hier das Regierungspräsidium Darmstadt besteht.

Der Wachtelkönig (Crex crex), auch Wiesenralle genannt gehört auch zur Familie der Rallenvögel und ist in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands als stark gefährdet eingestuft. Sein Aussehen erinnert zwar an eine Wachtel, er ist jedoch mit dieser nicht verwandt. Die Wachtel (Coturnix coturnix) ist ein Hühnervogel und gehört zur Familie der Fasanenartigen. Der Wachtelkönig-Hahn ist in der Balzzeit in den Abend- und Nachtstunden recht laut mit seinem markanten Schrei.
Günther Leps sagt, daß er in diesem Jahr Vorsorge getroffen habe, indem er die Volieren mit Doppelstegplatten verkleidet hat, damit einerseits das für den Pflanzenbewuchs notwendige Licht durchfällt und anderseits eine Schalldämpfung erreicht wird, damit der "Lärm" in Grenzen bleibt. Die Henne des Wachtelkönigs scharrt in einem Grasbusch eine Mulde und legt sie mit Gras und kleinen Wurzeln aus. In sieben Tagen lagen zehn Eier im Nest und die Brut hatte begonnen, berichtet begeistert unser Naturschutzbeauftragter Leps. Der Hahn kümmert sich weder um die Brut, noch um die Fütterung der Jungvögel, das bleibt der Henne allein überlassen. Nach 18 Tagen schlüpfen auch hier die Jungvögel.

Tüpfelralle (Porzana porzana) Altvogel
hat das Futter entdeckt
Wachtelkönig (Crex crex) Altvogel
bei der Balz
(2) Tüpfelrallen-Küken nach der Beringung
Fotos: Günther Leps    

Nach den Beobachtungen von Günther Leps machen Tüpfelralle und Wachtelkönig nur eine Brut, denn ca. zwei Wochen später sind die Tiere in der Mauser. In zwei Tagen sind die Schwungfedern abgeworfen, sodaß die Elterntiere flugunfähig sind. Sie sind dann auch etwas scheuer als sonst.

Günther Leps würde die jungen Tüpfelrallen und Wachtelkönige sehr gern in der Wetterau in die Freiheit entlassen. Dies gestaltet sich jedoch als schwierig, da er bis jetzt keine geeigneten Stellen finden konnte. Als Lebensraum der Vögel eignen sich ganz besonders Wiesen die kaum gedüngt und nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden, diese sind jedoch sehr selten geworden. An Plätzen, die geeignet wären, wie z.B. sumpfige Wiesenflächen oder auslaufende Verlandungszonen mit Schilf- oder Seggenbeständen stehen schon Masten mit Storchenhorsten darauf, die auch beflogen werden. Der Weißstorch ist ein Schreitgänger, in der Bevölkerung bestens bekannt und gern gesehen. Bei seinen "Spaziergängen" nimmt er jedoch alles Freßbare auf - von Wurm und Heuschrecke bis zum Frosch und zur Eidechse, Schlange und Maus und auch Jungvögel der Bodenbrüter wie Ente, Kiebitz, Rebhuhn, Fasan, Lerche und auch des Wachtelkönigs
und der Tüpfelralle. Auch die Prädatoren Fuchs, Rabenkrähe und Waschbär erschweren die Ansiedlung der Bodenbrüter.


Günther Leps großer Wunsch ist, geeignete Plätze für "seine" Vögel zu finden, denn sonst sieht er keine Möglichkei,t die Zucht der bedrohten Vogelarten fortzuführen.

Dr. Semiramis Pyriki
Referat Naturschutz