Maßnahmen umgesetzt

Kooperationsprojekt Bachneunauge trägt erste Früchte
 
In Koordination mit dem Referat Gewässer Nord des Verbandes Hessischer Fischer hat der Hessische Wasserverband Diemel umfangreiche Renaturierungsmaßnamen an der Twiste (Diemelsystem) umgesetzt.
An zwei Abschnitten des Gewässers wurde die Gewässersohle strukturreicher umgestaltet, so dass potentielle Laichplätze in Form von kiesigen Bereichen freigespült wurden.

Grundlage hierfür waren wissenschaftliche Untersuchungen zur Bestandssituation des Bachneunauges durch Studenten des Fachgebiets Gewässerökologie und Gewässerentwicklung der Universität Kassel im Wintersemsester 2012/13. Diese haben Renaturierungsmaßnamen ausgearbeitet, die zum einen effizient die Lebensraumbedingungen für das Bachneunauge verbessern und zum anderen innerhalb der Unterhaltungspflicht umgesetzt werden können.
Hierzu wurde die aktuelle Bestandssituation der Rundmäuler im Untersuchungsgebiet mittels Elektrobefischung untersucht.

Zur Bestimmung der Gewässergüte wurden chemische und biologische Untersuchungen durchgeführt.

Das Bachneunauge ist auf kiesige und sandige Sohlsubstrate mit guter Sauerstoffversorgung angewiesen. Die adulten Tiere legen auf Kies und Steinen ihre Eier ab, während die Querder (Larven) drei bis vier Jahre im Sandablagerungen leben. Sie filtern sich zersetzende Pflanzenteile, Algen und Kleinstlebewesen aus dem Sediment. Zahlreiche Eingriffe in seinen Lebensraum, wie Gewässerausbau, harte Gewässerunterhaltung und erhöhte Nährstoffeinträgen, haben in der Vergangenheit vielerorts zu einem Rückgang oder gar Zusammenbruch der Bachneunaugenbestände geführt. Inzwischen sind in vielen Bächen die Bestände auf dem Weg der Erholung. In der Roten Liste von 1996 wird das Bachneunauge als gefährdete Art geführt

.Das Projekt ist von Interesse für die fischereiliche Bewirtschaftung, da Verbesserungen der Lebensraumqualität für das Bachneunauge auch positive Auswirkungen auf die Lebensbedingungen weiterer kieslaichender Fischarten, wie die der Bachforelle, haben. Es konnte zudem gezeigt werden, dass bei entsprechender Koordination umfangreiche Maßnahmen innerhalb der Unterhaltungspflicht unbürokratisch umgesetzt werden können.

Kontakt:
Ralf Katzschner (ralfkatzschner@gmx.de)

Jens Eligehausen (j.eligehausen@hessenfischer.de)

Naturnahe Ufergestaltung an der Twiste Laichende Bachneunaugen Erstes leichtes Hochwasser nach der Renaturierung
Fotos: J. Eligehausen