Ohne jegliche Rücksicht auf die Natur

Wasser- und Schifffahrtsamt räumt Schleusengraben in Runkel aus
 
 
Fotos W. Klein

AKürzlichräumte das Wasser- und Schifffahrtsamt den unteren Runkeler Schleusengraben mit einem Schreitbagger aus und setzte eine schnell lahnabwärts treibende Faulschlammfahne in Gang, die großen ökologischen Schaden anrichtete.
Dass manchmal solche Arbeiten zum Beispiel nach Hochwasser notwendig sind, bleibt nicht aus, doch der jetzige Zeitpunkt ist für die in der Lahn lebenden Wassertiere die reinste Katstrophe.
Zum einen haben weder die Döbel noch die Nasen abgelaicht, weil dieses Jahr alles wesentlich später ist. Darüber hinaus entwickeln sich gerade die Eintagsfliegen, die immer so Mitte August nach etwa zwei bis 3 Jahren Larvendasein in der Lahn aus dem Wasser aufstiegen (sogenannte Emerger), um sich dann fortzupflanzen. Alle diese Tiere fehlten noch bis vor wenigen Jahren in der Lahn und nun werden sie durch verantwortungslose, zu dieser Jahreszeit völlig überflüssige "Unterhaltungsmaßnahmen" beeinträchtigt und in großen Zahlen vernichtet.

Den Begleiter des Baggerfahrers auf die Sachverhalte falsche Jahreszeit, Schäden an der Ökologie der Lahn, durch eine kilometerlange Faulschlammfahne ausgelöste Sauerstoffprobleme und Vernichtung von Jungfischen, Fischlaich und eines großen Teils der Wirbellosenfauna u.a. mehr, angesprochen, sagte , er habe keine Ahnung und sie würden nur machen, was ihnen aufgetragen werde. Im Übrigen sei nun Niedrigwasser und man könnte jetzt gut an die Ablagerungen und den Schlamm heran. Eine solche dürftige und von Unwissenheit ökologischer Belange geprägte Antwort hätte ich von Mitarbeitern einer Behörde, die sich mit den fließenden Gewässern beschäftigt, Unterhaltungsarbeiten ausführt und den geltenden Gesetzen - speziell dem Bundeswasserstraßengesetz - unterliegt, nicht erwartet. Kompetenz sieht anders aus.

Nach § 8 (1) ist bei der Unterhaltung den Belangen des Naturhaushaltes Rechnung zu tragen.
(2) Wenn es die Erhaltung des ordnungsgemäßen Zustands nach Absatz 1 erfordert, gehören zur Unterhaltung besonders die Räumung, die Freihaltung, der Schutz und die Pflege des Gewässerbettes mit seinen Ufern. Dabei ist auf die Belange der Fischerei Rücksicht zu nehmen.

Heftig zu kritisieren ist, dass nicht auf die gesetzlichen Vorgaben geachtet wurde und darüber hinaus diese ökologisch unglaublich schädlichen Maßnahmen, verursacht durch eine kilometerlange Schlammfahne, nicht in die späteren Herbstmonate gelegt wurden.
Dann wäre der Schaden bei wesentlich sauerstoffreicherem Wasser und einer Phase weitgehend abgeschlossener biologischer Vorgänge im Gewässer, wesentlich geringer ausgefallen.

Es stellt sich die Frage, warum man unsinnige, nutzlose und schädliche "Unterhaltungsarbeiten" mit solchem Aufwand überhaupt durchführen muss? Die Anlandung in Runkel hat derzeit überhaupt niemand behindert und bestätigt einmal mehr die Sysyphusarbeit der Behörde an der Lahn, die eigentlich schon lange nur noch auf dem Papier eine Bundeswasserstraße ist und deren überflüssige Unterhaltung den Steuerzahler ca. 8 Millionen Euro im Jahr kostet. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist es längst überfällig, dass die Lahn den Status Bundeswasserstraße verliert und auch hier eine wesentlich natur- und tierfreundliche Unterhaltung eingeführt wird.


Winfried Klein
Vors. IG-LAHN e.V.