Hegemeinschaft Lahn II nimmt Vorreiterrolle ein

 
Hessenweit erster Hegeplan genehmigt
 
Zufriedene Gesichter bei der Genehmigung des Hegeplans Lahn II.
Von li nach re: Marlene Höfner und Guntram Ohm-Winter vom Regierungspräsidium Gießen,
Lothar Wolfram, Heinz-Werner Rühl, Dr. Wilhelm Wagegg, Dr. Uwe Koop und Hans Schwirz
von der Hegegemeinschaft Lahn II.
Foto: M. Barthelmie
 
Zwei Jahre nach ihrer Gründung legt die Hegegemeinschaft Lahn II ihr Gesellenstück vor: Ein einheitlicher, Pachtgrenzen überschreitender Hegeplan für eine Gesamtwasserfläche von rund 1.600.000 Quadratmeter Gesamtwasserfläche der Mittleren Lahn und ihrer Nebengewässer.

Damit ist die Hegegemeinschaft Lahn II mit Abstand Vorreiter in Hessen zur Aufstellung der Hegepläne. Lothar Wolfram, Vorsitzender der Lahn II, zieht Bilanz: "Wir haben in vielerlei Hinsicht Neuland betreten. Heraus gekommen ist zum Einen eine verbindliche Richtschnur für alle Pächter der Lahn von Weimar bis Dutenhofen und zum Anderen eine rechtsgültige Vorlage für andere Hegegemeinschaften in Hessen, die bisher noch keinen einheitlichen Hegeplan erstellt haben."

Vor allem in Bezug auf die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden zeigt sich der Vorstand zufrieden: Das Regierungspräsidium Gießen mit Schulungen, sowie die Untere Wasserbehörde des Landkreises Gießen, hätten die Arbeit zuverlässig unterstützt. Ebenso wichtig sei zudem die Zusammenarbeit mit den Vereinen vor Ort gewesen, die bei der Datenerfassung ihre fundierten Kenntnisse über die bewirtschafteten Gewässer und die vorkommenden Fische eingebracht hätten.

Elektronischer Hegeplan statt telefonbuchdickem Ausdruck

Die Hegegemeinschaft Lahn II hat den Plan so aufgebaut, dass er von anderen Hegegemeinschaften an ihre Verhältnisse angepasst werden kann. Hierzu ist das Werk in elektronischer Form zu benutzen. Der Hegeplan wird also nicht mehr in ausgedruckter Form vorliegen. Da die Hegegemeinschaften große Gewässerflächen umfassen und Aussagen zur biologischen, chemischen und strukturellen Qualität für jeden Gewässerabschnitt enthalten müssen, wäre eine Aufzählung wie früher nicht mehr möglich, wie Dr. Uwe Koop erläutert: "Ein solcher Hegeplan würde die Ausmaße eines Großstadt- Telefonbuches annehmen und niemand würde solch einen Hegeplan noch benutzen." Daher habe sich die Hegegemeinschaft Lahn II entschlossen, den Plan mit dem Internet zu verknüpfen. Der Hegeplan wird auf einer Homepage eingestellt und, zusammen mit einigen weiteren Dateien, bei Bedarf von dort herunter geladen. Hierdurch ergibt sich auch die Möglichkeit, den Hegeplan fortzuentwickeln und immer in seiner aktuellen Form dort einzustellen. Wird beispielsweise eine Strecke neu verpachtet und der Pächter wechselt, kann das zukünftig leicht in den Hegeplan eingepflegt werden. Auch die Internet-Links, die auf Quellen verweisen, zeigen immer auf die neueste Version, sodass der Plan nicht veralten kann.

Vorteile für Gewässer und Pächter

Fast 50 Mitglieder jeweils zur Hälfte Eigentümer der Fischereirechte und Pächter hat die Hegegemeinschaft Lahn II. Sie stellt ihr gemeinsames Dach dar und fungiert als Vertretung und Sprachrohr nach außen, gerade gegenüber Behörden, Publikationen, oder auch bei wirtschaftlichen Aktivitäten, wie Beratung bei dem Besatzeinkauf. Zugleich soll sie in diesem Bereich für eine spürbare Entlastung der Vereinsvorstände sorgen.

Für die Mitglieder liegen die Vorteile auf der Hand, wie Dr. Uwe Koop Gewässerwart und Verfasser des Hegeplans erläutert: "Der Hegeplan vereinheitlicht und koordiniert über die Pachtgrenzen hinaus die Besetzplanung, die Überwachung und Wahrung des Gewässerzustands. So wird von nun an für das gesamte Gewässer ein Schutz der Fischbestände und ihrer Lebensräume möglich, wo bisher jeder Pächter der einzelnen Gewässerabschnitte unabhängig von und ohne Abstimmung mit seinen Nachbarn gehegt hat." Dies sichert eine koordinierte Bewirtschaftung des gesamten Gewässers unter Einhaltung aller geltenden gesetzlichen Vorgaben. Beispielsweise kann nun mit gezielten, mehrjährigen Besatzprojekten, welche dann auch gefördert werden, ein dem jeweiligen Gewässertyp angemessenes Artenspektrum und eine gesunde alters- und größenmäßige Zusammensetzung dieses Artenspektrums geschaffen werden.

Die Hegegemeinschaft ist nach der Genehmigung des Hegeplans nun für dessen Umsetzung und Durchführung verantwortlich. Zu den Hauptaufgaben zählen dabei neben der Besatzplanung auch die Darstellung von Gewässerveränderungen, eventuelle Maßnahmen zur Wiederansiedlung von Fischarten, die Beachtung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie insbesondere bei bereits ausgewiesenen Schutzgebieten sowie die Wahrung der Wasserrahmenrichtlinie.


Beispielhaft für andere Hegegemeinschaften

Für Hegegemeinschaften, die sich gerade erst gegründet haben oder mit der Erstellung ihres Hegeplans noch nicht begonnen haben, kann die Arbeit der Lahn II eine wertvolle Vorlage sein: "Da wir uns bei der Erarbeitung des Hegeplans intensiv mit allen Verwaltungsabläufen beschäftigt haben, können wir betroffenen Vereinen mit Rat und Tat zur Seite stehen", sagt Dr. Uwe Koop.

Kontakt:
Dr. Uwe Koop
buk Umwelt-Ingenieure GmbH
Neue Kasseler Str. 7a
35039 Marburg
Tel.: 06421 - 889 13 0
Fax 06421 - 889 13 21