Drei Fischerei-Hegegemeinschaften im Kreis Bergstraße erfolgreich gegründet

 
Bensheim/Hirschhorn - Im zum historischen Moment passenden Ambiente des Anglerheims des AV Bensheim 1954 e.V. fanden im November 2011 die Gründungsversammlungen der Fischerei-Hegegemeinschaften Weschnitz und Winkelbach/Lauter statt. Im traditionsreichen Hirschhorner Stadtteil Ersheim folgte Anfang Dezember die Gründung der dritten Hegegemeinschaft im Kreis Bergstraße, der FHG Hessischer Neckar. Die HGen gehören zu den ersten im Regierungsbezirk Darmstadt - nur die HG Gersprenz war schneller .

Am Gewässersystem der Weschnitz (436 qkm Einzugsgebiet im Odenwald inkl. Nebengewässer) sind 35 Rechtsinhaber beteiligt: Fast ein Dutzend Angelvereine und viele Privatpersonen sind Pächter; es gibt von der Quelle bei Hammelbach bis zur Mündung in den Rhein bei Biblis 18 verschiedene Eigentümer (zumeist Städte und Gemeinden). Darüber hinaus haben auch der Gewässerverband Bergstraße und das Land Hessen Fischereirechte. Wesentlich einfacher liegen die Verhältnisse am Winkelbach (118 qkm EZG vom Lautertäler Odenwald bis zur Mündung in den Rhein in Gernsheim): Hier gehört der gesamte Oberlauf samt Nebengewässern zu einem einzigen Fischereirecht, und am Unterlauf gibt es fünf fischereiberechtigte Kommunen und nur einen Pächter. Personell noch einfacher ist der Hessische Neckar: Hier gibt es nur einen Fischereiberechtigten, die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes, und einen Pächter, die Fischhegegemeinschaft Badisch-Hessisches Neckartal, deren Pachtstrecke von Neckargemünd-Rainbach bei Heidelberg bis fast ins schwäbische Heilbronn reicht. Darin machen die wenigen hessischen Flusskilometer um Neckarsteinach und Hirschhorn nur einen winzigen Teil aus. Zunächst rechtlich kompliziert wurde die Lage aber durch ein erst im Zuge der FHG-Gründung aufgeklärtes, altverbrieftes Fischereiausübungsrecht des Schiffervereins Neckarsteinach, das sich mit Teilen der Pachtstrecke überschneidet. Es wurde hierfür jedoch schnell eine einvernehmliche Lösung gefunden, so dass sich am Neckar wie an den beiden anderen Fluss-Systemen die Versammlungen sehr schnell und reibungslos einig wurden.

Begrüßt wurden die Versammlungen jeweils durch die Leiterin der Unteren Fischereibehörde, Alexandra Kleiné, die bei der Gründung der Hegegemeinschaften organisatorische Hilfestellungen gab. Zur Gründung der HG Winkelbach war auch der gerade neu gewählte Kreisbeigeordnete und für die Fischereibehörde zuständige Dezernent Matthias Schimpf gekommen. Die Hegegemeinschaften gaben sich nach kurzer Aussprache und kleineren Änderungen die von den Gründungsvorständen vorbereitete Satzung. Danach wurden jeweils mit überwältigender Stimmenmehrheit die Vorstände gewählt. Vorsitzende wurden in der HG Weschnitz Florian Schumacher (ASV Lorsch-Einhausen), in der HG Winkelbach/Lauter Ulrich Androsch (Gewässerverband Bergstraße) und in der HG Neckar Kurt Unzeitig (FHG Bad.-Hess. Neckartal). Die weiteren Vorstandsmitglieder sind in den Bildunterschriften genannt.

Im Anschluss an die zügig durchgeführten Versammlungen konnte jeder noch einen Imbiss und kühle Getränke bei den Hausherren und Gastgebern des AV Bensheim 1954 e.V. genießen, die freundlicherweise ihre Räumlichkeiten für die Gründungsversammlung zur Verfügung gestellt hatten. Die HG Neckar hatte sich gleich vor Ort in den mit Fisch- und Tierpräparaten anheimelnd ausgestatteten Räumen der Traditionsgaststätte "Goldene Pfanne" in Hirschhorn-Ersheim getroffen. So konnten die ersten gewählten Vorstände und die neuen Mitglieder die konstituierenden Versammlungen im regen Austausch gemütlich ausklingen lassen.
Nach dem Willen des Gesetzgebers haben Hegegemeinschaften eine starke Stellung: Sie sind nicht nur eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, welche die fischereilichen Hegepläne erstellt und deren Vollzug eigenverantwortlich überwacht, sondern auch in Natura 2000 Gebieten und bei Maßnahmen nach der Wasserrahmenrichtlinie für die Festsetzung der Management-Maßnahmen und ihre Integration in den Hegeplan zuständig. Spätestens alle sechs Jahre ist ein Hegeplan zu erstellen und für dessen Umsetzung zu sorgen. Dafür sind Daten zur Gewässerfauna und -flora nötig. Diese sind für Weschnitz und Winkelbach in großer Dichte und historischer Tiefe vorhanden: Das Weschnitz-System mit seinen rund 250 km Fließgewässern wurde bereits von 1990 bis 1995 flächendeckend auf Fischbestände und Makrozoobenthon untersucht. Dies geschah -für Hessen bisher einmalig- vollständig im Ehrenamt durch Rainer Hennings vom VHF mit Hilfe der Bergsträßer Vereine und mit Sachkostenunterstützung aus Naturschutz-Mitteln des Kreises Bergstraße. 1995/96 folgte der Winkelbach-Unterlauf. Spätere beruflich beauftragte Untersuchungen durch Rainer Hennings und andere Fischereisachverständige an Weschnitz und Winkelbach runden das Bild bis zum Stand von 2011 ab. Für den Hessischen Neckar liegen Daten von Fischaufstiegsuntersuchungen an den Neckarschleusen und vor allem die langjährigen Fang- und Besatzstatistiken der FHG Badisch-Hessisches Neckartal vor. Der bevorstehende Ausbau der Neckarschleusen für das 135-Meter-Schiff sollte nach Auffassung von VHF und HG Neckar flächendeckende Untersuchungen unter Einschluss der Tötung von Fischen durch Schraubenschlag beauftragen.

Alexandra Kleiné/Rainer Hennings

 
Vorstand HG Weschnitz (v. l. n. r.): vorne 1. Vors. Florian Schumacher
(ASV Lorsch/Einhausen), 2. Vors. Rainer Hennings (Pächter Hambach);
hinten Beisitzer Ulrich Androsch (Gew.-Verband Bergstraße),
Beis. Sebastian Renner und Jan Pagalies (ASC Rimbach),
Beis. Michael Prommer (ASV Wasserrose Biblis, Beis.) und Jürgen Arnold (ASV Lorsch/Einhausen), Kassierer Cornel Moog (Forstamt Lampertheim), Schriftführer Sebastian Seyfahrt (ASC Gold. Haken Schlierbachtal)
Vorstand HG Winkelbach/Lauter: v. l. n. r. Gratulantin Alexandra Kleiné (UFB Krs. Bergstraße), 1. Vors. Ulrich Androsch (Gewässerverb. Bergstraße), 2. Vors. Rainer Hennings (Kreisfischereiberater), Gratulant Matthias Schimpf (Kreisbeigeordneter und Dezernent), Beisitzer Cornel Moog (FA Lampertheim), Schriftführer Otto Weber (Stadt Bensheim), Beis. Jürgen Morgenstern (Gde. Alsbach-Hähnlein), Kassenwart Manfred Fath (Stadt Zwingenberg). Nicht abgebildet: Beisitzer Florian Schumacher.
 
Vorstand der HG Neckar: (v. l. n. r.) 2. Vors. Detlev Adam (Fischhegegemeinschaft Bad._Hess. Neckartal, kurz: FHG), Alexandra Kleiné (Unt. Fischereibehörde Krs. Bergstraße), Beis. Walter Huber (FHG), 1. Vors. Kurt Unzeitig (FHG), Beis. Rüdiger Englert (WSA Heidelberg ) Beis. Karl Bock (Schifferverein Neckarsteinach), Vorstandsmitglied mit fischereibiologischen Kenntnissen Rainer Hennings (Kreisfischereiberater), Schriftführer Werner Dreher (FHG), Beis. Herbert Redlich (FHG, Fischereiaufsicht). Nicht abgebildet sind Kassenwartin Frieda Sauter (FHG) und Beisitzer Kurt Krieger (SV Neckarsteinach).