Recht
 
 

Fischereiaufsicht in Hessen

 
"Guten Tag, Fischereiaufsicht. Zeigen Sie mir bitte Ihren Jahresfischerei- und Fischereierlaubnisschein…." Mit Worten wie diesen beginnen täglich Fischereikontrollen an unseren hessischen Gewässern. Die meist ehrenamtlich engagierten Angler überprüfen bei ihren Kontrollgängen Mitglieder des eigenen Vereins, Tageskarteninhaber und manchmal auch Personen, die unberechtigt fischen. Die Kontrollbezirke der Fischereiaufseher sind individuell geregelt und beschränken sich nicht nur auf Flüsse und Seen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung unterliegen auch Teiche und ähnliche Privatgewässer der Fischerei-aufsicht.
Aus Anglerkreisen hört man immer wieder, dass die Kontrollen zuweilen als unangenehm oder gar überflüssig empfunden werden. Manchmal fehlt sogar die grundsätzliche Akzeptanz in der eigenen Struktur. Aussagen wie: "Wir brauchen keine Fischereiaufsicht, wir kontrollieren uns selber" sind auch heute noch weit verbreitet.
Doch, was ist tatsächlich vorgeschrieben?

Die Fischereiaufsicht wird in Hessen durch die unteren Fischereibehörden, die sich wiederum von nebenamtlichen und amtlich verpflichteten (ehrenamtlichen) Fischereiaufsehern unterstützen lassen, verantwortlich wahrgenommen . Die überwiegende Mehrheit der am Wasser anzutreffenden Kontrollpersonen ist aber ehrenamtlich unterwegs.

Die Aufgaben und Befugnisse der Fischereiaufseher sind in der Verordnung über die Fischereiaufsicht geregelt. Hier findet man die formalen Voraussetzungen für die Verpflichtung zum Fischereiaufseher, etwa den Besuch von Fortbildungsveranstaltungen. In Lehrgängen der staatlichen Fischereischule des Landes Hessen werden die Teilnehmer über Fischkunde, Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht sowie weitere Vorschriften mit Fischereibezug informiert. Wie wichtig diese regelmäßigen Lehrgangsbesuche sind, zeigt sich auch wieder in diesem Jahr. Mit Wirkung zum 31.12.2008 wurde die bisherige Landesfischereiordnung (LFO) durch die Hessische Fischereiordnung (HFO) ersetzt. Geändert haben sich neben dem Name auch wichtige Inhalte.
Beispiele:

- Der Aland unterliegt keinem generellem Fangverbot mehr; jetzt gelten Schonzeit und Schonmaß

- Der Aal hat nun eine Schonzeit (1.10.-1.3.). Das Schonmaß wurde von 40 cm auf 50 cm angehoben

- Bachsaibling, Dreistacheliger Stichling, Teichformen des Karpfens, Regenbogenforelle und Wels haben keine Schonzeit und kein Schonmaß mehr

- In Bundeswasserstraßen ist die Setzkescherverwendung jetzt generell verboten.

Nach der Lehrgangsteilnahme und der anschließenden Bestellung durch die jeweilige Fischereibehörde erhält der Fischereiaufseher einen Legitimationsnachweis - den Fischereiaufseherausweis. In dem blauen Dokument sind neben Name und Lichtbild auch der Kontrollbezirk und der Gültigkeitszeitraum (jeweils für 3 Jahre mit der Möglichkeit der Weiterverpflichtung) eingetragen.

Und welche Befugnisse haben die Fischereiaufseher?
Während der Überprüfung stellt ein Fischereiaufseher beispielsweise fest, dass ein Angler keine Fischereierlaubnis besitzt. Die fehlende Urkunde und das Gespräch mit dem Kontrollierten erwecken bei dem Fischereiaufseher den Verdacht einer Fischwilderei . Er ist jetzt berechtigt, die Personalien der betreffenden Person festzustellen und unter Umständen sogar dessen Angeln sicherzustellen. Anschließend erstattet er Strafanzeige bei der Polizei.

Die Aufgabe der Fischereiaufsicht beschränkt sich nicht auf die Unterstützung von Behörden und sie ist auch nicht Selbstzweck. Die Fischereiaufsicht ist vielmehr ein wichtiges Element der Fischerei, das sehr vielfältig und interessant sein kann. Die Kontrollen schrecken Unberechtigte ab und sie fördern die Einhaltung der Fischereibestimmungen. Die
persönlichen Gespräche am Wasser dienen aber auch dazu, Informationen, die über den Bereich der Fischereiaufsicht hinausgehen, zu verbreiten. Im Idealfall können sich hier Verein und Fischereiaufsicht ergänzen.

Ich denke, dass die Fischereiaufsicht auch in Zukunft ihre Bedeutung bewahren kann, wenn sie in den Fischereistrukturen und bei jedem Einzelnen die notwendige Anerkennung findet bzw. behält.

Alexander Lorch
Wasserschutzpolizeiposten Kassel