Warnung:
Auch Vereine sind Ziele von Betrügern und Abzockern!

 
Auch Angelvereine sind offenkundig Ziele von Betrügern und Abzockern!
Der Vorsitzende eines betroffenen Mitgliedsvereins schilderte uns jüngst den Sachverhalt seines aktuellen Falles, wonach ihm von der Hausbank des Vereins mitgeteilt wurde, dass ihr zwei Scheckeinreichungen nach Polen über einen höheren vierstelligen Betrag zu Lasten des Vereinskontos vorlägen. Die Bank fragte an, ob dies seine Richtigkeit habe, was der Vereinsvorsitzende selbstverständlich verneinte. Die Zahlungen wurden infolgedessen nicht ausgeführt und die Bank erstattete Anzeige wegen offensichtlichen Scheckbetrugs.
Das ist also gerade noch mal gut gegangen, aber wie kam es, dass die Schecks die -vermeintliche- Unterschrift des Vorsitzenden trugen? Dazu seine Erklärung: "Die Kontodaten hatte man vermutlich über unsere Webseite bekommen, wo etliche pdf-Dokumente für unsere Mitglieder zum Download bereitliegen, die sowohl unsere Kontodaten als auch meine Unterschrift enthalten. Meine Unterschrift hatte man, nach Aussage der Bankmitarbeiterin, sehr gut gefälscht". Weiter führte der Vereinsvorsitzende aus: "Ich kann nur jedem Verein empfehlen, keine Dokumente oder Informationen mit Kontodaten und Unterschriften auf der Webseite zu hinterlegen. Wir haben noch am selben Tag alle Dokumente von der Webseite genommen und die entsprechenden Informationen gelöscht. Danach haben wir sie dann wieder online gestellt. Über unsere Webseite kommt man nun nicht mehr an die Daten. Mein Tip: Man sollte Rundschreiben, Einladungen zur JHV u. ä. nur mit "Der Vorstand" unterzeichnen und nicht mit einer (eingescannten) Unterschrift versehen. Ferner habe ich die Bank angewiesen, grundsätzlich keine Scheckeinreichungen zu akzeptieren bzw. immer mit mir Rücksprache zu halten".

Diesen eindringlichen Rat geben wir gerne weiter. Auch aus unserer Sicht soll grundsätzlich vermieden werden, persönliche Daten, wie beispielsweise Anschriften und Telefonnummern von Vorstandsmitgliedern und Angaben von Bankverbindungen (z. B. auf Vereinsbriefbogen) per Vereinshomepage ins Internet zu stellen.

Eine andere Betrugsvariante ist, dass auf den Kontoauszügen des Vereinskontos unberechtigte monatliche Abbuchungen von Telekommunikationsfirmen auftauchen. Hierbei handelt es sich zwar meist nur um kleinere zweistellige Beträge, die aber eben gerade deswegen nicht gleich auffallen. Das machen sich die Betrüger zunutze, wobei sie auch darauf setzen, dass in Vereinen schon mal die Zuständigkeiten wechseln, vielleicht auch die interne Informationsweitergabe nicht immer klappt oder einfach nicht genau hingesehen wird. Zudem prüfen die Banken Lastschriftberechtigungen erst bei größeren Beträgen, wie wir auf Anfrage erfahren haben. Zur Unübersichtlichkeit tragen außerdem die ellenlangen Buchstaben- und Zahlenkolonnen zu Mandatsreferenz, Gläubiger-ID, Kundenreferenz und End-to-End-Referenz bei, welche besonders seit Einführung des SEPA-Zahlungsverkehrs auf den Kontoauszügen erscheinen.
Glücklicherweise kann Lastschriften während einer Frist von sechs Wochen widersprochen werden, womit dann der Lastschriftbetrag zurückgeholt wird. Das sollte in derartigen Fällen konsequent jedesmal gemacht werden, bis die unberechtigten Abbuchungen aufhören, was allerdings schon mal ein Jahr dauern kann. Leider lohnt es erfahrungsgemäß nicht, sich an die -angeblichen- Zahlungsempfänger zu wenden. Die Telekommunikationsfirmen antworten selten oder gar nicht und sitzen diese Dinge einfach aus, selbst wenn man einen Rechtsanwalt einschaltet. Vermutlich wollen sie einfach nicht zugeben, dass in ihrem Namen Betrügereien erfolgen, weil das schlecht fürs Geschäft ist.
Jedenfalls ist zeitnahe und akribische Prüfung der Kontoauszüge Pflicht, um solchem Lastschriftbetrug einen Riegel vorschieben und Schaden verhindern zu können.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Abzockmasche diverser Adressbuchverlage, welche Vereinen und Verbänden ungefragt Korrekturabzüge von Adreßbucheinträgen zusenden. Diese Einträge sollen ggf. mit Korrektur bestätigt und unterschrieben zurückgesandt werden. Wer darauf hereinfällt, hat dann einen kostenpflichtigen Adressbucheintrag für etliche hundert Euro bestellt. Das steht zwar im Kleinstgedruckten auf den betreffenden Schriftstücken, aber das muss man dann auch erstmal gründlich lesen. Auch hier setzen die Abzocker darauf, dass nicht jeder genau hinschaut.
In vergleichbarer Weise agieren auch Institutionen, die amtliche aussehende Schreiben inklusive Überweisungsträger an Vereine versenden und Geld für angebliche Pflichteinträge in irgendwelche "Register" verlangen. Angeschrieben werden die Vereine meistens kurze Zeit nach Eintragungen bzw. Änderungen in ihrem Vereinsregister, was die Abzocker dann in den Veröffentlichungen der Registergerichte nachlesen und für ihre unlauteren Zwecke nutzen.

Leonhard R. Peter
Geschäftsführer