Wir können auch Fischsterben!
 


Biogas kann auch Fischsterben - Tierschutz nicht gewollt!
Foto: ghs

Wer bei uns an Flusskatastrophen denkt, hat eher China als Deutschland auf dem Focus. Das wir aber fast 30 Jahre "nach Sandoz" auch noch große Fischsterben produzieren können, hat sich in diesem Jahr gezeigt. Nicht nur die Folge schwerer Havarien in landwirtschaftlichen Gülle- und Biogasanlagen hat in den letzten Monaten für verheerende Fischsterben gesorgt. Auch Missstände in Industriebetrieben, Agrarhandel und Wasserkraftwerken haben zum millionenfachen Tod von Fischen geführt (Freiburger Ak Wasser im BBU).

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg kam es Anfang Oktober an der Biogasanlage Eiterfeld-Treischfeld aufgrund eines Defektes an einer Güllerohrleitung zu einem erheblichen Gülleeintrag in die Taft, einem Nebengewässer der Ulster. Der Sauerstoffentzug durch die Gülle führte zu einem tonnenweise Fischsterben. Nach den wasserrechtlichen Vorschriften muss sichergestellt werden, dass im Havariefall von Biogasanlagen keine wassergefährdenden Stoffe in ein angrenzendes Gewässer gelangen. Die Gewässerschutzexperten des Verbandes Hessischer Fischer (VHF) können nicht nachvollziehen, warum offenbar eine Rohrverbindung zur Hofentwässerung in Richtung Taft existiert, über die das Güllegemisch sehr leicht abfließen konnte. Regelkonform wären hier nach Auffassung der Experten Auffangbehälter oder dichte Wallanlagen, um bei einer Havarie die für die Gewässerökologie tödlichen Stoffe zurückzuhalten. Dies wird seit Jahren vom Naturschutzverband Hessischer Fischer eingefordert. Dass der Bau von Biogasanlagen generell nicht in der Nähe von Gewässern genehmigt werden dürfte ist von jedem nachvollziehbar und mehrfache Unfälle dieser Art in Hessen haben Fakten geschaffen. Fakt ist aber auch, dass die Genehmigungsbehörde des Regierungspräsidiums Kassel den Vorfall offenbar ganz anders bewertet. Bei solchen Anlagen wird häufig auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet, um eine Beteiligung von Naturschutzverbänden auszuklammern.

Originalzitat Staatsanzeiger für das Land Hessen: "Für dieses Vorhaben war nach § 3c Abs. 1 des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) im Einzelfall zu prüfen, ob das Vorhaben erhebliche nachteilige Umweltwirkungen haben kann. Die Prüfung hat ergeben, dass dies nicht der Fall ist. Es wird daher festgestellt, dass keine Verpflichtung zur Durchführung der Umweltverträglichkeitsprüfung besteht".

Der Naturschutzverband Hessischer Fischer befürchtet, dass mangelnde behördliche Kontrollen, personelle Einsparungen in Umweltabteilungen sowie der Druck, alternative Energiequellen ohne Wenn und Aber durchzusetzen, die Schäden an unseren Gewässern in Zukunft erhöhen wird.

Günter Hoff-Schramm