Roten Listen - Vorwarnsysteme des Artenschutzes

 

Rote Listen sollen den Gefährdungsgrad seltener Tier- und Pflanzenarten möglichst objektiv darstellen, damit diesen durch die Verbesserung ihrer Lebensräume und durch besondere Schutzmaßnahmen geholfen werden kann. Rote Listen sollen vor allem den Stand des aktuellen Wissens über die Gefährdung unserer Natur wiedergeben und einen Überblick zur Entwicklung über längere Zeiträume möglich machen. Sie dienen Politikern, Anglern, Jägern und anderen Naturschützern als Entscheidungshilfen, wenn es um Schutz, Neuanlage und Entwicklung von Lebensräumen, sowie Renaturierungsmaßnahmen an unseren Gewässern geht.
Rote Listen sind ein Vorwarnsystem des Natur- und Umweltschutzes und ein probates Hilfsmittel für die praktizierenden Naturschützer wie Angler und Jäger. Sie sind allerdings in keiner Weise rechtsverbindlich.
Es ist nicht zu leugnen, dass in unseren Gewässern die meisten Fischarten nur noch oder wieder anzutreffen sind, weil die fischereiliche Bewirtschaftung der Angelvereine dazu geführt hat. Der Schutz der hessischen Fischfauna, die Entwicklung der aquatischen Lebensräume, respektive der Gewässerstruktur und der Wasserqualität waren schon immer die Ziele der Fischerei. Begleitend wurden Defizite des heimischen Fischbestandes, vielerorts durch Aussetzen von Eiern, Dottersackbrütlingen oder angefütterter Brut kompensiert. Die Erfolge dieser jahrzehntelangen Maßnahmen lässt sich heute an verschiedenen Gewässern nachweisen. Das Ziel einer standortgerechten sich selbst erhaltenden Population wurde oft erreicht und es konnte auf den Besatz dieser Art verzichtet werden. Dieser Aspekt findet bei den Bewertungskriterien der Roten Liste kaum Beachtung. Das Gefährdungspotential der Fischfauna in Hessen durch Kormoraneinflug sowie die Auswirkungen der Energiegewinnung scheint ebenso keinen Einfluss auf die Beurteilung zu haben. In den letzten 20 Jahren hat es bei der Wasserkraft bisher keine politischen Erfolge gegeben um für einen funktionierenden Fischschutz zu sorgen, beim Kormoran fehlt es auch an Durchsetzungswillen und somit bleiben viele Artenschutzmaßnahmen der Angelvereine auf der Strecke. Erst wenn diese Gefährdungsursachen beseitigt sind, können wir uns wieder über das vermehrte Vorkommen von Nase, Äsche, Bitterling, Karausche usw. freuen und erst dann, wenn alle Faktoren stimmen, sind diese Arten entsprechend positiv in den zukünftigen Roten Listen zu bewerten.

Lesen Sie zu diesem Thema (Bericht Hessenfischer März 2014) einen kritischen Brief an das Referat Artenschutz des Hessischen Umweltministeriums von einem unserer Mitgliedsvereine, ARGE Sinntal, Arbeitsgemeinschaft zur Erhaltung heimischer Fischarten. Bitte klicken Sie hier

Günter Hoff-Schramm